Wirtschaftswachstum ohne Entwicklung: Ökonom kritisiert mangelnde Verbesserung für die Bevölkerung

Der paraguayische Ökonom Víctor Raúl Benítez stellt fest, dass das starke Wirtschaftswachstum der letzten Jahre nicht zu einer spürbaren Verbesserung der Lebensbedingungen der Mehrheit geführt hat. Er verweist auf anhaltende Ungleichheit und Korruption als Hauptgründe.

Fast tausend Tage nach Amtsantritt der aktuellen Regierung hat der Ökonom Víctor Raúl Benítez eine kritische Analyse der wirtschaftlichen Lage Paraguays vorgelegt. In einem Interview mit dem Nachrichtenportal El Nacional betonte er, dass das verzeichnete Wirtschaftswachstum – mit BIP-Expansionen von über 4 % und zeitweise nahe 6 % – nicht in konkrete Verbesserungen für die Bevölkerung umgesetzt werde. „Wachstum ist nicht dasselbe wie Entwicklung“, sagte Benítez.

Er wies auf eine Diskrepanz zwischen makroökonomischer Stabilität und dem Wohlergehen der Bürger hin. „Es gibt keinen Übertragungsriemen dieses Wachstums zu den Menschen“, erklärte er und warnte, dass weite Teile der Bevölkerung weiterhin mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpften, darunter Kaufkraftverlust durch aufgelaufene Inflation.

Benítez lenkte den Fokus auf die strukturelle Ungleichheit des Landes. Die reichsten 20 % der Bevölkerung konzentrierten mehr als die Hälfte der erwirtschafteten Einkommen, während die ärmsten 20 % auf weniger als 5 % zugriffen. Diese Kluft begrenze jede Möglichkeit, dass das Wirtschaftswachstum gerecht in der Gesellschaft ankomme.

Der Ökonom kritisierte zudem die Regierungsführung in Bezug auf Transparenz und verwies auf Korruptionsvorwürfe und klientelistische Praktiken, die die Ungleichheit verschärften. Ohne tiefgreifende Veränderungen bei der Einkommensverteilung und der institutionellen Qualität werde Paraguay weiterhin positive Indikatoren aufweisen, aber keine echte Entwicklung erreichen, die der Mehrheit der Bevölkerung zugutekomme, so Benítez.