Anlässlich des Muttertags hat die paraguayische Staatsanwaltschaft (Ministerio Público) einen alarmierenden Bericht veröffentlicht: 80% der Opfer häuslicher Gewalt sind Frauen. Das geht aus einer Analyse des Observatoriums der Behörde hervor, die auf Daten des Statistikdepartements basiert, wie ABC Color berichtet.
Für die Untersuchung wurden jeweils 80 Strafverfahren aus den Jahren 2024 und 2025 in Asunción ausgewertet. Insgesamt gingen 2024 in der Hauptstadt 5.143 Anzeigen wegen häuslicher Gewalt ein, 2025 waren es 4.649 – zusammen 9.792 Fälle, zuzüglich weiterer Verfahren in anderen Landesteilen. In 90% der Anzeigen war mindestens eine Person betroffen, in 10% zwei oder mehr.
Die Altersgruppe der 30- bis 44-Jährigen macht mit 37% den größten Anteil der Opfer aus, gefolgt von 18- bis 29-Jährigen (31%). Die Betroffenen sind laut Staatsanwaltschaft überwiegend Studentinnen, Arbeiterinnen und Mütter.
Die Hälfte aller gemeldeten Angriffe kombiniert körperliche mit psychischer und verbaler Gewalt. Reine psychisch-verbale Gewalt wie Beleidigungen, Drohungen und Einschüchterung macht 26% aus, während 21% der Fälle rein körperliche Übergriffe wie Faustschläge, Stichwaffenangriffe oder Verletzungen durch Nägel und Zähne umfassen.
Besonders besorgniserregend: 88% der Vorfälle ereigneten sich in Wohnungen, und in 70% der Fälle lebten Täter und Opfer im selben Haushalt. Weitere Tatorte sind öffentliche Wege (7%), Fahrzeuge, Arbeitsplätze und Telefonate.
Die Haupttäter sind mit Abstand aktuelle Partner (Ehegatten und Lebensgefährten), gefolgt von Ex-Partnern. Danach kommen Kinder, Geschwister und Mütter. Die Täter sind ebenfalls überwiegend zwischen 30 und 44 Jahre alt (45%), gefolgt von der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen (34%).
Die meisten Anzeigen werden morgens, mittags und nachmittags erstattet (5.407 Fälle), nachts sind es 4.745. Wochenenden verzeichnen Spitzenwerte: Samstags 1.653, sonntags 1.873 Anzeigen. Auch montags ist die Zahl mit 1.380 hoch.
Monatlich betrachtet waren 2024 März, September, November und Dezember am stärksten betroffen; 2025 stachen Januar, Februar, März und Dezember hervor. Die höchsten Fallzahlen melden die Departements Asunción, Caaguazú, Itapúa, Alto Paraná und Central.