IPS unter Verdacht: Paralleles Buchhaltungssystem führt zu Millionenbeanstandungen und Milliardenverträgen

Das paraguayische Instituto de Previsión Social (IPS) betrieb jahrelang parallele Buchhaltungssysteme und missachtete damit das Gesetz, das die ausschließliche Nutzung des offiziellen SIAF-Systems vorschreibt. Die Praxis führte zu Millionenbeanstandungen durch die Generalrechnungskontrollbehörde und zu Verträgen über mehr als 122 Milliarden Guaraníes im Technologiebereich, während die neue interne Revision die Abschaffung der doppelten Buchführung empfiehlt.

Das paraguayische Instituto de Previsión Social (IPS) steht erneut unter strenger Beobachtung, nachdem bekannt wurde, dass es jahrelang parallele Buchhaltungssysteme betrieb – eine Praxis, die als unvereinbar mit den staatlichen Kontrollnormen gilt. Prüfungen der Generalrechnungskontrollbehörde (CGR) und interne Bewertungen ergaben, dass die Einrichtung gleichzeitig das SAP-System und das vom Wirtschafts- und Finanzministerium verwaltete Integrierte Staatliche Finanzverwaltungssystem (SIAF) nutzte, entgegen dem Gesetz 1535 zur staatlichen Finanzverwaltung, das alle öffentlichen Institutionen zur Nutzung eines einzigen offiziellen Finanzkontrollsystems verpflichtet.

Die Unregelmäßigkeiten waren bereits 2024 von der CGR während der Amtszeit des damaligen Präsidenten Jorge Brítez festgestellt worden. Inmitten dieses Szenarios vergab das IPS jedoch mehr als 122,765 Milliarden Guaraníes für die Erneuerung, Wartung und Erweiterung von Technologieplattformen im Zusammenhang mit dem SAP-System und der IT-Infrastruktur. Davon entfielen 112,372 Milliarden Guaraníes auf Infocenter SA für die Implementierung und Wartung eines integrierten Systems zur Verwaltung von Beiträgen und Einnahmen, während 10,395 Milliarden Guaraníes an Softshop SA für Hardware-Infrastruktur gingen.

Der Generalrechnungsprüfer der Exekutive, Alberto Cabrera, erklärte, dass die Koexistenz der Plattformen einen direkten Verstoß gegen das Gesetz 1535 darstellt. Der neue Leiter der Internen Revision des IPS, Walter Laguardia, bestätigte, dass eine umfassende Überprüfung der Kontrollmechanismen im Gange ist, und kündigte an, die Abschaffung des Systems der doppelten Buchführung zu empfehlen. Laut Laguardia wurden die wirtschaftlichen Vorgänge zunächst im SAP erfasst und dann in das offizielle System des Wirtschaftsministeriums migriert – eine Dynamik, die Experten zufolge zu Inkonsistenzen, Buchungsdifferenzen und einer geringeren Kontrollfähigkeit über Einkäufe und Finanzbewegungen führen kann.

Die Beanstandungen der CGR deckten zudem millionenschwere Diskrepanzen im Zusammenhang mit Sparbriefen bei intervenierten Einrichtungen auf. Ein Bericht stellte eine Differenz von 13,395 Milliarden Guaraníes zwischen Bilanzen, physischen Bestandsaufnahmen und historischen Buchungsunterlagen fest, die genau auf die gleichzeitige Nutzung unterschiedlicher Finanzsysteme zurückgeführt wird. Das vom IPS beauftragte SAP-System verwaltet derzeit Daten von rund 1,6 Millionen Versicherten und etwa 93.000 beitragszahlenden Unternehmen und steuert zudem monatliche Einnahmen von rund 130 Millionen US-Dollar sowie die Beitrags- und Schuldenhistorie der Beitragszahler. Der Vertrag mit den beauftragten Unternehmen läuft bis 2028, während die neuen Verantwortlichen das interne Kontrollmodell neu definieren und die Verwaltungsprozesse transparenter gestalten wollen.