Machiavelli und die Krise der paraguayischen Demokratie: zwischen Individuen und Institutionen

Der Artikel reflektiert über den Einfluss des machiavellistischen Denkens auf die paraguayische Politik und stellt die Sicht des egoistischen Individuums der Notwendigkeit starker Institutionen und ethisch gebildeter Bürger gegenüber, um die republikanische Demokratie zu stützen.

In einem Kontext zunehmenden Misstrauens gegenüber Institutionen und der Normalisierung von Korruption entfacht ein Meinungsartikel die Debatte über die Grundlagen der paraguayischen Demokratie neu. Der Anstoß geht von einer Aussage eines Journalisten aus: dass Niccolò Machiavelli recht gehabt habe und sein Denken im heutigen Paraguay noch relevanter sei.

Der Text stellt diese Sichtweise infrage und erinnert daran, dass es vor dem Florentiner bereits seit mehr als zweitausend Jahren politisches Nachdenken gab, etwa bei Aristoteles. Machiavelli, der die Moral als politischen Leitfaden verneinte und den Menschen auf ein leidenschaftliches und egoistisches Wesen reduzierte, habe den Institutionen „den Arm abgeschnitten“. Ohne sie driftet die Politik in Autoritarismus ab.

Das zentrale Dilemma lautet: Was macht eine Demokratie aus? Regierende, Menschen oder Institutionen und Verfahren? Der Artikel vertritt die Ansicht, dass Institutionen – vom lateinischen instituere, „aufrecht stehen“ – das sind, was über momentane Leidenschaften hinaus Bestand hat. Aber sie allein genügen nicht: Sie brauchen Bürger, die sie mit Ethik bewohnen.

Dazu unterscheidet der Autor „Individuum“ von „Person“. Das Individuum, atomisiert und egoistisch, ist das, was Machiavelli im Sinn hatte. Die Person hingegen wird in ihrer Würde und Offenheit für den Anderen gesehen, eine Tradition, die auf Aristoteles, Thomas von Aquin, Jacques Maritain und Emmanuel Mounier zurückgeht und von paraguayischen Philosophen wie Adriano Irala Burgos und Secundino Núñez aufgegriffen wurde. Beide bestanden darauf, dass es ohne ethische Bildung keine Bürgerschaft gibt.

Die Schlussfolgerung ist, dass eine Republik ohne gebildete Bürger eine leere Hülle ist, eine kranke Demokratie. Die Anzeichen sind sichtbar: gefälschte Titel, Vetternwirtschaft, normalisierte Korruption. All dies rührt von dem Individuum her, das nie zur Person wurde, das gelernt hat, Ämter zu bekleiden, ohne an die Institutionen zu glauben, und das die öffentliche Sache wie die eigene nutzt – mbó’i pire, leichte Beute des poguasu.