Beim feierlichen Te Deum anlässlich des 215. Jahrestages der Unabhängigkeit Paraguays sorgte die Predigt von Kardinal Adalberto Martínez für Aufsehen. Wie die Zeitung ABC Color berichtet, glich die Homilie einer „Bombe“ in den Ohren von Präsident Santiago Peña, der im Volk den Spitznamen „Pinocho“ trägt. Martínez zählte in seiner Ansprache die schwerwiegenden Versäumnisse der aktuellen Machthaber auf und verteidigte dabei nachdrücklich die Meinungs- und Pressefreiheit.
Die Botschaft des Kardinals widerspreche laut ABC Color fundamental der politischen Linie des Cartismo, der danach strebe, Kritiker zu „domestizieren“ und jeden anzugreifen, der sich dem Autoritarismus nicht beuge. Die Regierungspartei habe die Predigt zwar gehört, aber nicht verinnerlicht – „es ist gut, dass man dieser Machtgruppe, die sich als Eigentümer des Landes wähnt, diese Wahrheiten entgegenschleudert“, kommentiert das Blatt.
Parallel zur kirchlichen Kritik suchte der ehemalige Präsident Mario Abdo Benítez in Luque die öffentliche Bühne. Er spielte auf vermeintliche liberale Kräfte in den Reihen der Colorado-Partei an und zielte damit offenbar auf Peña. Innenpolitisch brodelt es zudem um die Nachfolge: Raúl Latorre, der sich Hoffnungen auf die Vizepräsidentschaftskandidatur 2028 macht, versuchte mit einem Selfie im Regierungspalast Palacio de López Aufmerksamkeit zu erregen. Der cartistische Abgeordnete Dionisio Amarilla wiederum wirbt um oppositionelle Kräfte außerhalb der Liberalen Partei, um eine gemeinsame Liste für 2028 zu schmieden – ein Manöver, das die Wiederwahl des Cartismo sichern soll, da die Umfragen für den designierten Kandidaten Alliana ungünstig stehen.