Im Vorfeld der für Juli erwarteten Anpassung des Mindestlohns hat der Präsident der Unión Industrial Paraguaya (UIP), Enrique Duarte, eine umfassendere Diskussion gefordert. In einem Interview mit ABC Color erklärte Duarte, dass die Analyse über das reine Einkommen hinausgehen müsse und auch die Kostenstruktur der Arbeitnehmer sowie die Wettbewerbsfähigkeit Paraguays einbeziehen solle.
Duarte wies darauf hin, dass der bestehende Berechnungsmechanismus funktioniere und auf einer gesetzlichen Regelung beruhe. Er stellte sich hinter die Daten der Zentralbank Paraguays (BCP) und wies Kritik an deren Zuverlässigkeit zurück: „Es gibt keinen Grund, die Informationen der Zentralbank in Frage zu stellen. Manchmal begünstigen sie die eine Seite, manchmal die andere.“
Der Industrievertreter kritisierte zudem die sogenannte „falsch verstandene Arbeitsplatzstabilität“ im Arbeitsgesetzbuch, die zu Kosten führe, die weder Arbeitnehmern noch Arbeitgebern nützten, sondern einem „dritten juristischen Sektor“. Er plädierte für eine tiefgreifende Reform, die nicht nur auf ad-hoc-Entscheidungen beruhe, sondern auf einem soliden rechtlichen Fundament.
Duarte betonte die Bedeutung des sozialen Dialogs: „Wenn wir mit neuen Regeln arbeiten wollen, setzen wir uns zusammen und vereinbaren sie – aber innerhalb des bipartiten Rahmens (Arbeitgeber-Arbeitnehmer), immer mit dem Dialog als Werkzeug.“ Eine Anpassung des Mindestlohns per Dekret hielt er für „völlig unlogisch“, solange ein gesetzlicher Rahmen bestehe.
Der UIP-Präsident hob hervor, dass sich die Arbeitsdynamik verändert habe: Früher arbeitete meist nur der Mann, heute seien beide Ehepartner erwerbstätig und die Kinderzahl sei gesunken. Zudem belasteten strukturelle Probleme wie der öffentliche Nahverkehr und Mängel im Gesundheitssystem (trotz IPS-Deckung) die Haushaltskassen der Arbeitnehmer zusätzlich. „All diese Aspekte müssen in die Studien einfließen“, so Duarte.
Abschließend betonte Duarte, dass die UIP in ständigem Austausch mit legal konstituierten Gewerkschaften stehe und dem Dialog als zentralem Instrument verpflichtet sei. Die Debatte müsse im Interesse des Landes geführt werden und sowohl die Qualität der Beschäftigung als auch die Wettbewerbsfähigkeit Paraguays im Blick haben.