Israelische Soldaten töten 15-jährigen Palästinenser in Westjordanland

Ein 15-jähriger Palästinenser wurde von israelischen Soldaten erschossen, nachdem er Steine auf israelische Fahrzeuge geworfen hatte. Die israelische Armee bezeichnete ihn als Terroristen, das palästinensische Gesundheitsministerium spricht von Mord. Der Vorfall ereignete sich in Al Lubban Al Sharquiya.

JERUSALEM. Ein 15-jähriger Palästinenser ist am Freitag bei einem israelischen Militäreinsatz im Norden des Westjordanlands getötet worden. Das palästinensische Gesundheitsministerium teilte mit, Fahd Zaidan Awais sei „durch Kugeln der Besatzungstruppen“ in der Ortschaft Al Lubban Al Sharquiya (Gouvernement Nablus) ums Leben gekommen. Die Leiche werde weiterhin von Israel festgehalten, hieß es in der Erklärung, die von der paraguayischen Zeitung ABC Color zitiert wurde.

Die israelische Armee erklärte, der Jugendliche sei ein „Terrorist“ gewesen, der Steine auf israelische Fahrzeuge auf der Hauptstraße geworfen habe. In einer Stellungnahme hieß es, Soldaten hätten während einer „Anti-Terror-Operation“ drei vermummte Personen identifiziert, die Steine warfen und damit das Leben von Autofahrern gefährdeten. Die Truppen hätten das Feuer eröffnet. Ein weiterer der Verdächtigen sei ebenfalls getroffen worden, die Gruppe sei dann geflohen und von den Soldaten verfolgt worden.

Auf Nachfrage der Nachrichtenagentur EFE räumte die Armee ein, nicht zu wissen, ob die drei Personen einer bewaffneten Gruppe angehörten, betonte jedoch, dass Steinwürfe als „terroristischer Angriff“ eingestuft würden. Nach den Einsatzregeln der israelischen Streitkräfte dürfen Soldaten das Feuer eröffnen, wenn sie sich bedroht fühlen. Dies führt immer wieder zu tödlichen Schüssen auf unbewaffnete Palästinenser, darunter viele Minderjährige.

Nach Angaben des UN-Büros für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) sind seit Jahresbeginn rund 50 Palästinenser durch israelische Angriffe im besetzten Westjordanland getötet worden, 13 davon durch Siedler. Zwölf der Toten waren Minderjährige – mit dem Fall Awais steigt die Zahl auf 13.