Paraguay verstärkt Prävention von sexuellem Kindesmissbrauch mit Fokus auf Familien, Schulen und digitales Umfeld

Das Ministerium für Kindheit und Jugend (MINNA) und die Nationalpolizei intensivieren Präventionskampagnen gegen sexuellen Missbrauch von Minderjährigen, mit Schwerpunkt auf Familienerziehung, schulischem Umfeld und Online-Sicherheit. Die neue Strategie umfasst Leitfäden, härtere Strafen und einen Vorschlag zur Regulierung des Internetzugangs von Kindern.

Die paraguayische Regierung lenkt ihre Maßnahmen zur Bekämpfung von sexuellem Kindesmissbrauch auf die Prävention um, nachdem sie sich jahrelang auf Anzeigen und das Durchbrechen der „Schweigekultur“ konzentriert hatte. Die Änderung wurde diese Woche von Vertretern des Ministeriums für Kindheit und Jugend (MINNA) und der Nationalpolizei detailliert beschrieben, die die Bedeutung der Einbeziehung von Familien, Schulen und des digitalen Umfelds hervorhoben.

Leticia González von der Direktion für Prävention des MINNA erklärte, dass die Kampagne „Alle sind verantwortlich“ darauf abziele, sowohl Erwachsene als auch Kinder von frühester Kindheit an zu erziehen und „Lebenskompetenzen“ aufzubauen, die Minderjährigen helfen, Risikosituationen zu erkennen und zu vermeiden. „Der erste Sicherheitsring ist die Familie. Die Erwachsenen in dieser engen Beziehung sind dafür verantwortlich, Informationen zu geben; die Schule ersetzt nicht die Familie, wir müssen die Kinder begleiten“, sagte sie.

González empfahl Eltern, kleinen Kindern „kurze und präzise“ Informationen zu geben, wie etwa zu erklären, dass niemand ihre intimen Körperteile berühren oder fotografieren darf. Der Ansatz umfasst auch die Verteilung eines von paraguayischen Fachleuten in Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Bildung und Wissenschaften erstellten Präventionsleitfadens zur Verwendung in Schulen.

Im rechtlichen Bereich legt die jüngste Regulierung des Gesetzes 6202 Normen für die Prävention und Betreuung von Opfern sexuellen Missbrauchs fest und verschärft die Strafen – die zuvor bis zu acht Jahre Gefängnis betrugen und nun bis zu 30 Jahre erreichen können. Das MINNA arbeitet auch an einem Gesetzesvorschlag zur Regulierung des Zugangs von Kindern und Jugendlichen zum Internet und zu sozialen Netzwerken.

Der zweite Offizier Gustavo Gómez von der Abteilung für Cyberkriminalität der Nationalpolizei informierte, dass die Behörde Aufklärungsvorträge für Minderjährige und Erwachsene über die aktuellen Formen von Belästigung und Missbrauch im Internet hält und darüber berät, wie man bei der Identifizierung eines Falls vorgehen sollte. Er und González listeten Warnsignale für Eltern auf: Ein Kind, das fröhlich war, wird zurückgezogen, zeigt Angst, lehnt die Umarmung einer bestimmten Person ab, verbringt mehr Zeit vor Bildschirmen, hat Schlafstörungen, klagt über unerklärliche Schmerzen oder hat einen Leistungsabfall in der Schule.