Die paraguayische Polizei und die Staatsanwaltschaft haben am Dienstag das Seniorenheim „El Balcón de la Luna“ im Ortsteil Yvyraró von Capiatá durchsucht. Dabei wurde die Betreiberin Sara Andrea Irala Zárate festgenommen. Ihr wird vorgeworfen, versucht zu haben, 50 Millionen Guaraníes (etwa 6.500 Euro) vom Konto eines 72-jährigen Bewohners abzuheben, der wenige Tage zuvor im Krankenhaus von Calle’i in San Lorenzo verstorben war.
Laut dem zuständigen Staatsanwalt Gerardo Chamorro war die Festnahme das Ergebnis einer Alarmmeldung der Banco Nacional de Fomento (BNF). Bankmitarbeiter hatten verdächtige Transaktionen bemerkt, als Irala Zárate eine PIN für das Konto des Verstorbenen beantragte. Die Beschuldigte gab an, das Geld für Pflege- und Behandlungskosten zu verwenden. Die Ermittlungen ergaben jedoch, dass die Familie des Mannes alle anfallenden Kosten direkt trug.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass bereits vor dem versuchten Abhebevorgang mindestens zehn Mal je 1,5 Millionen Guaraníes abgehoben wurden – insgesamt rund 15 Millionen Guaraníes. IT-Sachverständige werten nun die beschlagnahmten Bankdaten und andere Beweismittel aus, um mögliche weitere Opfer im Heim zu identifizieren.
Angehörige des Verstorbenen hatten zudem angegeben, dass die Heimleitung ihnen immer wieder Besuche erschwerte und Ausreden erfand. Nach dem Tod des Mannes wussten die Verwandten tagelang nicht, wo sich die Leiche befand; sie fanden sie schließlich in einem Bestattungsinstitut in Villeta, das die Betreiberin beauftragt hatte. Bei der Durchsuchung stellte die Polizei zudem fest, dass das Heim keine Patientenakten, Krankenunterlagen oder offiziellen Aufenthaltsnachweise für den Verstorbenen vorweisen konnte, obwohl dieser seit Ende 2023 dort gelebt hatte. Die Ermittlungen laufen weiter, eine Ausweitung auf mögliche ähnliche Fälle wird nicht ausgeschlossen.