Paraguay zwischen Datenzentren und PtX: Eine Frage des Entwicklungsmodells

Ein Meinungsbeitrag von Ultima Hora warnt vor einem unkritischen Fokus auf hyperskalare Rechenzentren und plädiert für eine strategische Förderung der PtX-Industrie (Power-to-X) als nachhaltigere Entwicklungsoption für Paraguay.

Data centers vs. PtX: Paraguai precisa escolher entre desenvolvimento e extrativismo, alerta análise
Data centers vs. PtX: Paraguai precisa escolher entre desenvolvimento e extrativismo, alerta análise

In einem aktuellen Kommentar warnt die paraguayische Tageszeitung Ultima Hora vor dem „propagandistischen“ Hype um hyperskalare Rechenzentren (DC) und Künstliche Intelligenz. Der Artikel argumentiert, dass Paraguay eine intelligente Strategie brauche, um nicht in eine neue Form des Extraktivismus zu verfallen. Während DC-Projekte Investitionen in Milliardenhöhe versprächen, seien ihr hoher Energieverbrauch, geringe Beschäftigungseffekte und niedrige lokale Wertschöpfung strukturelle Risiken.

Die Zeitung plädiert für eine selektive Anziehung mittlerer und spezialisierter Rechenzentren, die auf angewandte KI, Inferenz, regionale Cloud und Unternehmensdienste ausgerichtet sind. Diese benötigten nur 5 bis 40 MW. Für DC-KI-Training, das als „reiner Extraktivismus“ bezeichnet wird, solle hingegen eine höhere Tarifstufe gelten und die Leistung auf maximal 100 MW begrenzt werden, wobei zusätzlicher Bedarf selbst erzeugt werden müsse.

Lobend erwähnt wird das Dekret 5307/26, das einen eigenen Tarif für die PtX-Industrie (Power-to-X, also erneuerbare Energien zur Herstellung von Kraftstoffen oder Chemikalien) schuf. Dieser Tarif sei „sehr treffend“ gewesen, auch wenn die Begrenzung der maximalen Anschlussleistung unverständlich sei. Die niedrigere Tarifstufe für PtX habe Proteste ausgelöst, die der Artikel als unbegründet zurückweist. Die Behauptung, es handle sich um ein Subvention, sei falsch: Der geringere Preis spiegele die real niedrigeren Kosten wider – etwa null Investitionen in Infrastruktur, keine Verluste, kein Betriebs- oder Wartungsaufwand für die ANDE (staatlicher Stromversorger). Zum Vergleich: Die Versorgung einer Stadt mit 80.000 Einwohnern (40 MW) erfordere aufwändige Netze, hohe Betriebskosten und eine komplexe Verwaltung.

Der Kern der Argumentation: Paraguay solle nicht zwischen „Bytes oder Molekülen“ wählen, sondern zwischen Extraktivismus und Entwicklung. Die entscheidende Kennzahl sei nicht die Gesamtinvestition, sondern der Beitrag zur Volkswirtschaft pro verbrauchter Megawattstunde. Nach einer in dem Artikel zitierten Tabelle (Cuadro 1) seien PtX-Industrien für das Land am vorteilhaftesten. DC-KI-Training hingegen sei nicht von Interesse und nicht notwendig.