Am 15. Mai, dem paraguayischen Muttertag, sind die meisten Familien zu Hause vereint. Doch für Dutzende Frauen sieht die Realität anders aus: Sie verbringen den Tag im Albergue des Hospital Pediátrico Niños de Acosta Ñu, einem Wohnheim für Angehörige schwer kranker Kinder. Rund 50 Mütter halten sich derzeit dort auf, während ihre Söhne und Töchter in der Klinik behandelt werden.
Ana, die aus Encarnación stammt, lebt seit fast drei Jahren mit ihrer 15-jährigen Tochter Suelí in der Einrichtung. Suelí erhält eine onkologische Therapie. „Wir begannen 2023 mit einfachen Kopfschmerzen, und dann wurde meine Tochter direkt von Encarnación hierher verlegt“, erzählt Ana. „Es ist sehr schwierig, jede Woche hin- und herzureisen. Also bleiben wir hier.“ Ihr Gesicht leuchte auf, wenn sie von Suelís Lächeln spreche – das sei ihr schönstes Geschenk zum Muttertag.
Eine weitere Mutter, Silvia, ebenfalls aus Encarnación, begleitet ihren 16-jährigen Sohn, der seit etwa drei Jahren an einem intramedullären Astrozytom leidet. Die Behandlung verlaufe positiv, doch aufgrund einer Beeinträchtigung an einem Fuß müsse die Familie regelmäßig nach Acosta Ñu kommen. „Er ist ein normaler Junge, geht zur Schule, ist in der zweiten Klasse der Sekundarstufe, trifft sich mit Freunden – und wir Mütter organisieren uns hier gemeinsam“, sagt Silvia. Anfangs sei der Wechsel schwer gewesen: „Wir waren sechs Monate durchgehend hier. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt, aber am Anfang war es ein kompletter Umbruch.“
Das Albergue des Krankenhauses bietet Platz für bis zu 70 Angehörige. Es verfügt über Schlafräume, eine Küche und einen Waschbereich. Die erste Etage ist für Eltern von Kindern mit Krebs- oder Herzerkrankungen reserviert, die zweite Etage beherbergt Angehörige von Kindern auf der Intensivstation. Neben der Unterkunft gibt es klimatisierte Bereiche, Spielzimmer und Fortbildungskurse für die Mütter. Eine Krankenhausschule sichert den Schulunterricht der Kinder während des Aufenthalts.
„Wir stützen uns gegenseitig, reden, teilen den Tag. Es ist nicht dasselbe wie zu Hause, aber wir kommen gut zurecht, weil wir die Unterstützung der anderen Mütter und des Pflegepersonals haben“, sagt Ana. Die Einrichtung sei eine zentrale Stütze des Gesundheitssystems, die es Familien aus dem ganzen Land ermögliche, ihre Kinder auch bei langwierigen Behandlungen zu begleiten.