Der paraguayische Guaraní hat Anfang Mai gegenüber dem US-Dollar den tiefsten Stand seit mehr als sieben Jahren erreicht. Am Kassamarkt notierte die Devise bei 6.000 Guaraní, im Interbankenhandel bei 5.977 G. – Werte, die zuletzt im Dezember 2018 verzeichnet wurden. Seit Jahresbeginn summiert sich der Rückgang auf rund sieben Prozent, binnen Jahresfrist sogar auf 23 Prozent, was einem Minus von fast 2.000 G. pro Dollar entspricht. Zum Ende der vergangenen Woche erholte sich der Dollar leicht auf etwa 6.100 bis 6.160 G. im Großhandel, während die Referenzkurse im Einzelhandel bei 6.070 G. (Kauf) und 6.150 G. (Verkauf) lagen.
Die Ökonomin Martha Coronel sieht die Zentralbank in einem Dilemma: „Der BCP kann den Trend kaum durchbrechen, aber er könnte Maßnahmen ergreifen, um den Fall etwas abzufedern. Sein offizielles Mandat ist die Inflationskontrolle, doch das Wirtschaftswachstum gehört ebenfalls zu seinen Aufgaben. Wenn er die Preise kontrolliert, beeinträchtigt das oft das Wachstum.“ Ein schwacher Dollar halte die Preise für Importgüter niedrig, doch die Einfuhren kämen aus Ländern mit eigener Inflation, sodass diese Teuerung mit importiert werde. Zudem verteuerten die hohen Treibstoffkosten infolge der Nahostkrise die Produktion. Coronel betont: „Die landwirtschaftliche Wertschöpfungskette ist sehr wichtig. Transport, Logistik und Qualitätskontrolle leiden unter der aktuellen Situation. Steigen die Treibstoff- und Düngemittelpreise weiter, schrumpfen die Gewinne des gesamten Sektors, einschließlich der Finanzdienstleistungen.“
Der Ökonom Arnold Benítez hingegen warnt davor, die Zentralbank als „Rentabilitätsversicherung“ für einzelne Branchen zu missbrauchen. „Ihre Aufgabe ist nicht, einen bequemen Dollarkurs für Exporteure, Importeure oder den Fiskus festzulegen, sondern die monetäre Stabilität zu sichern.“ Dennoch dürfe man den Devisenmarkt nicht ignorieren: „Wenn der Rückgang auf Fundamentaldaten beruht – mehr Devisenzuflüsse, eine gute Ernte, geringeren Inflationsdruck oder eine internationale Dollarschwäche –, sollte der Markt sich selbst überlassen bleiben. Bei übermäßiger Volatilität oder Liquiditätsengpässen kann der BCP jedoch eingreifen, um den Markt zu ordnen, nicht um den Preis zu manipulieren.“ Für Unternehmen sei die Botschaft klar: „Sie müssen mit Instrumenten wie Forwards, Devisentermingeschäften, Swaps, natürlichen Hedging-Strategien und Cashflow-Matching arbeiten. Das Wechselkursmanagement darf nicht improvisiert werden.“