Ein Wasserkraftprojekt im Süden Boliviens namens „El Carrizal“ sorgt für heftige Kontroversen unter Umweltschützern, indigenen Gemeinschaften und Behörden. Der Vorschlag sieht einen 160 Meter hohen Staudamm in der Schlucht des Flusses Pilaya vor, einem entscheidenden Nebenfluss des Pilcomayo-Beckens, mit dem Ziel, Strom zu erzeugen und landwirtschaftliche Flächen zu bewässern. Zwanzig Wissenschaftler aus sechs Ländern lehnen die Initiative jedoch ab und weisen auf die extreme Sedimentation als Hauptrisiko hin.
Der Fluss Pilcomayo transportiert jährlich etwa 200 Millionen Tonnen Sedimente, ein Weltrekord. Experten erklären, dass diese Fracht das Reservoir schnell füllen und die Lebensdauer der Struktur drastisch verkürzen würde. Darüber hinaus würde der Staudamm die Wanderung des Sábalo blockieren, eines Fisches, der für die Ernährung und Wirtschaft der Völker Weenhayek, Tapiete und Guaraní unerlässlich ist.
Indigene Führer beklagen das Fehlen einer vorherigen Konsultation, die gesetzlich vorgeschrieben ist. Francisco Nazario, Hauptmann der Organisation Weenhayek, bezeichnete das Bauwerk als „Todesurteil für unsere Kultur“. Der Bau würde auch landwirtschaftliche Flächen von Gemeinden wie Camblaya und Los Sotos überfluten. Umweltschützer verwerfen den Erfolg des versprochenen Bewässerungssystems mit der Begründung, dass die Kanäle durch den Sand und Schlamm des Flusses sofort verstopfen würden.
Die Pilaya-Schlucht, die sechsttiefste der Welt, läuft Gefahr einer irreversiblen visuellen und biologischen Veränderung. Obwohl die Befürworter das Bauwerk als Antwort auf die Gaskrise verteidigen, betonen die Wissenschaftler, dass die Umweltkosten den energetischen Nutzen übersteigen. Das Schicksal des Pilcomayo und der lokalen Biodiversität bleibt ungewiss.