Ein enger Vertrauter des Präsidenten der Abgeordnetenkammer, Raúl Latorre, hat innerhalb von drei Jahren einen außergewöhnlichen Gehaltssprung hingelegt. Germán Jovellanos Noveri, der im Kabinett des Parlamentspräsidenten arbeitet, verdiente bei Amtsantritt von Staatspräsident Santiago Peña noch 5,9 Millionen Guaraníes (rund 800 Euro) – heute sind es 29,6 Millionen Guaraníes (etwa 4.000 Euro). Der größte Anstieg erfolgte im November 2023, als sein Gehalt von 5,9 auf 28,2 Millionen Guaraníes stieg – und das vier Monate bevor er seinen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre beim Bildungsministerium (MEC) registrieren ließ.
Jovellanos hatte zuvor bei der Präsidentschaft gearbeitet und dort ein Gehalt von 2,8 Millionen Guaraníes bezogen. Seit 2023 gab es drei Gehaltserhöhungen, alle unter der Leitung von Latorre. Auffällig ist, dass der größte Sprung vor der offiziellen Titelregistrierung erfolgte. Öffentlich zugängliche Gehaltslisten des Finanzministeriums belegen die Entwicklung.
Der Fall reiht sich ein in eine Serie von Enthüllungen über sogenannte „Nepobabies“ – die Bevorzugung von Verwandten und Parteigängern bei der Vergabe von Posten im Kongress. Während Latorre öffentlich betont hatte, er habe im Vergleich zu früheren Verwaltungen rund 17 Milliarden Guaraníes eingespart, kritisieren Abgeordnete und Mitarbeiter die Personalpolitik als aufgebläht. Die Abgeordnetenkammer beschäftigt derzeit 2.523 Mitarbeiter – 778 mehr als bei Latorres Amtsantritt. Auf jeden der 80 Abgeordneten kommen damit 31 Angestellte. Darunter sind 168 Direktorenposten und 194 Abteilungsleiterstellen.
Die meisten Beschäftigten arbeiten in politischen oder beratenden Funktionen, nur wenige in technischen Spezialistenrollen. Viele haben befristete Verträge und verdienen zwischen 4 und 5 Millionen Guaraníes – ein Bruchteil dessen, was Jovellanos heute erhält.