Beim feierlichen Te Deum in der Kathedrale von Asunción anlässlich des 215. Jahrestags der Unabhängigkeit Paraguays hat Kardinal Adalberto Martínez Flores eine deutliche Kritik an den politischen Missständen im Land geäußert. Die Zeremonie fand am 14. Mai 2026 in Anwesenheit von Präsident Santiago Peña, Vizepräsident Pedro Alliana, Kongresspräsident Basilio Núñez, Abgeordnetenhauspräsident Raúl Latorre sowie zahlreicher Minister, Abgeordneter, Richter und Militärs statt. Auch Ex-Präsident und ANR-Vorsitzender Horacio Cartes sowie Diplomaten waren zugegen, wie die Zeitung El Nacional berichtet.
In seiner Predigt prangerte der Kardinal die fortwährenden Praktiken der Korruption, des Klientelismus und der Veruntreuung öffentlicher Mittel an. Diese „degradieren die Ethik“ und schadeten vor allem den verletzlichsten Teilen der Gesellschaft, so Martínez. Er forderte die Stärkung der Unabhängigkeit der Staatsgewalten und warnte davor, dass diese zu einer „Utopie“ im paraguayischen Demokratiesystem werden dürfe. Zudem unterstrich er die Bedeutung der Meinungsfreiheit und eines verantwortungsvollen Journalismus als Grundpfeiler der Demokratie.
Der Kardinal wies darauf hin, dass trotz der von der Regierung oft hervorgehobenen wirtschaftlichen Stabilität das Land weiterhin mit tiefgreifenden sozialen Ungleichheiten kämpfe – insbesondere in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Landzugang sowie bei indigenen und ländlichen Gemeinschaften. Abschließend rief er dazu auf, die anstehenden Kommunalwahlen in einem respektvollen Klima ohne persönliche Angriffe durchzuführen und das Wohl künftiger Generationen über kurzfristige politische Interessen zu stellen. Der Gottesdienst endete mit einem Appell für Frieden und Ehrlichkeit im öffentlichen Dienst.