Paraguay: Patriotismus-Debatte um Militärparade und die Frage nach der wahren Souveränität

Die Kontroverse um die Absage und spätere Bestätigung der Militärparade zu den Mai-Feierlichkeiten in Paraguay hat eine tiefgreifende Debatte über nationale Identität und Souveränität ausgelöst. Ultima Hora berichtet, dass die Regierung unter Santiago Peña zunächst eine Absage erwog, um einen „bürgerlicheren und kulturelleren“ Ansatz zu verfolgen, was heftige Kritik von konservativen Kreisen hervorrief. Der Artikel hinterfragt, ob die wahre Bedrohung der Souveränität nicht von außen, sondern von innen kommt – durch Landraub, Umweltzerstörung und wirtschaftliche Abhängigkeiten.

Desfile militar e identidade nacional: o debate que expõe as fraturas do Paraguai
Desfile militar e identidade nacional: o debate que expõe as fraturas do Paraguai

Die jüngste Kontroverse um die Absage und spätere Bestätigung der Militärparade zu den paraguayischen Unabhängigkeitsfeierlichkeiten am 14. und 15. Mai hat nach Ansicht von Ultima Hora tiefere Risse in der nationalen Identität offengelegt. Das Blatt berichtet, dass das Verteidigungsministerium und das Kultursekretariat zunächst eine Absage vorschlugen, um den Feierlichkeiten einen „bürgerlicheren und kulturelleren“ Charakter zu verleihen.

Diese Initiative stieß auf scharfe Ablehnung. Einige „dissidente“ Abgeordnete bezeichneten sie als „Angriff auf die Nationalität“ und „Allergie gegen das Vaterland“. Ein bekannter Journalist, der sich als Sprachrohr einer „neuen Rechten“ profiliert, sah darin sogar ein Komplott des Weltwirtschaftsforums von Davos und des „Globalismus“, um den paraguayischen Nationalstaat zu zerstören.

Die Regierung von Präsident Santiago Peña, so Ultima Hora, sei angesichts der Kritik zurückgewichen. Vizepräsident Pedro Alliana habe schnell „Kurskorrekturen“ vorgenommen, um die öffentliche Meinung zu besänftigen. Letztlich wurde die Parade bestätigt, doch die Frage, was es heute bedeute, Paraguayer zu sein, bleibe in der verbrauchten politischen Luft hängen.

Der Artikel argumentiert, dass die Souveränität Paraguays nicht von außen, sondern von innen ausgehöhlt werde. „Wenn man heute durch die meisten Routen Paraguays reist, findet man nicht das ‚gelobte Land‘ der offiziellen Reden. Was man findet, ist die grüne Wüste aus Soja, Sonnenblumen und Reis, die mit Glyphosat über bäuerliche und indigene Gemeinschaften hinwegrollt“, heißt es. Diese Landschaft sei nicht von internationalen Foren geschaffen worden, sondern durch jahrzehntelange Politik der Preisgabe, des Landraubs und der Vertreibung.

Der Autor zitiert den spanisch-paraguayischen Denker Rafael Barrett aus dem Jahr 1910: „Die Schule soll nicht anbeten, sondern verstehen; die Wahrheit hat kein Vaterland; nicht der Fanatismus, sondern die Arbeit macht moderne Vaterländer groß.“ Der Artikel schließt mit der Feststellung, dass Paraguay zu viele Paraden und zu wenig soziale Bewegungen habe, die Gerechtigkeit fordern.