Adalberto Martínez Flores: Vom Wirtschaftsstudium zum ersten Kardinal Paraguays

Adalberto Martínez Flores, der erste Kardinal Paraguays, reflektiert über seinen Lebensweg, der ihn vom Studium der Wirtschaftswissenschaften zum Priestertum und schließlich zur höchsten kirchlichen Würde führte. Er spricht über die Bedeutung von Verzicht als Hingabe und die prägenden Einflüsse seiner Kindheit und Familie.

Cardeal Adalberto Martínez: 'As renúncias não são perdas, são ofertas'
Cardeal Adalberto Martínez: 'As renúncias não são perdas, são ofertas'

Adalberto Martínez Flores, der erste Kardinal Paraguays, teilt seine Lebensgeschichte und betont, dass Verzicht keine Verluste, sondern Opfergaben seien. Geboren am 8. Juli 1951 in Asunción, beschreibt Martínez Flores, wie der Ruf Gottes in seinem Leben langsam wuchs, geprägt durch die Liebe und das Zeugnis seiner Eltern Aureliano und Esmeralda. Die Familie, bestehend aus vier Söhnen – Víctor, Adalberto, Óscar und Gustavo –, musste aufgrund der Arbeit seines Vaters, eines Gesundheitsbeamten, häufig umziehen, was zu einem nomadischen Leben in verschiedenen Regionen Paraguays, einschließlich des Chaco, führte.

Diese itinerante Kindheit prägte die Familie tief. Ohne festen Wohnsitz war die familiäre Eintracht, das gemeinsame Teilen von Mahlzeiten und der Glaube an Gottes Vorsehung der Anker. Die Großmutter väterlicherseits, Tránsito de la Cruz Barúa, spielte ebenfalls eine wichtige Rolle. Nach Stationen in Coronel Oviedo zog die Familie nach Asunción.

Nach Abschluss der Handelsschule begann Martínez Flores ein dreijähriges Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Fakultät für Wirtschaft. Die Entscheidung, ins Ausland zu ziehen, um bessere Studien- und Arbeitsmöglichkeiten zu suchen, bedeutete für ihn ein echtes Opfer und ein inneres Entwurzelungsgefühl, da die Familie sein Lebenszentrum war. In dieser Zeit wurde der Glaube zu einer fundamentalen Stütze, die es ihm ermöglichte, den Verzichten und Herausforderungen einen Sinn zu geben. Er beschreibt Verzicht nicht als Verlust, sondern als eine Form der Hingabe, die das Herz erweitert und zu innerer Freiheit und Bereitschaft zum Dienst an anderen führt.

Sein Ja zum Priestertum, so Martínez Flores, war eine Fortsetzung seiner früheren Entscheidung als Laie, Gott zu dienen. Die Priesterweihe empfing er am 24. August 1985 durch Bischof Sean O’Malley in der Pfarrei La Piedad. Er diente neun Jahre lang in der Diözese der Amerikanischen Jungferninseln, bevor er nach Asunción zurückkehrte. Im Laufe seiner Karriere übernahm er verschiedene pastorale Aufgaben und wurde überraschend zum Weihbischof von Asunción, zum ersten Bischof von San Lorenzo, Bischof von San Pedro, Bischof der Streitkräfte und der Nationalpolizei, Bischof von Villarrica und Caazapá sowie schließlich zum Erzbischof von Asunción ernannt.

Die Ernennung zum Kardinal durch Papst Franziskus sei eine Gnade, die er nicht auf eigenen Verdiensten beruhen sieht, sondern auf dem Vertrauen Gottes. Er hebt hervor, dass Papst Franziskus bei der Schaffung eines Kardinals für Paraguay nicht nur an die Kirche, sondern an das paraguayische Volk, seine Geschichte und Kultur dachte, da der Papst eine besondere Zuneigung zu Paraguay hegte. Die Übernahme von Verantwortung in der Kirche versteht er als Mission, das Evangelium zu verkünden und das Reich Gottes aufzubauen, wobei er sich als Instrument im Dienst dieser Mission sieht und die Gemeinschaft der Gläubigen betont, die gemeinsam diesen Weg gehen.