In Paraguay fällt der Muttertag mit den Feierlichkeiten zur Unabhängigkeit zusammen – ein Symbol für die traditionelle Rolle der Mutter als Hüterin von Identität und Familie. Doch hinter den Blumen und Gedichten verbirgt sich eine Realität, die laut Ultima Hora oft unsichtbar bleibt: die unbezahlte und unermessliche Arbeit der Mütter.
Laut Daten des Nationalen Statistikinstituts (INE) sind 39 % der paraguayischen Frauen alleinige Haushaltsvorstände. 37 % sind verheiratet, 31 % in einer Partnerschaft und 18 % ledig – unabhängig vom Status tragen sie die Hauptlast der Kindererziehung und Haushaltsführung. Die Arbeitsmarktlage zeigt deutliche Ungleichheiten: Die kombinierte Unter- und Erwerbslosenquote liegt bei Frauen bei 11,56 %, bei Männern bei 6,93 %. Auch die Alphabetisierungsrate (Frauen 96,05 %, Männer 96,83 %) und das Durchschnittseinkommen (4.403 Guaraní für Frauen, 5.841 für Männer) offenbaren anhaltende Lücken.
Besonders eklatant ist der Unterschied bei der unbezahlten Arbeit: Frauen widmen 61,27 % ihrer Zeit Hausarbeit und Pflege, Männer nur 25,26 %. Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass unbezahlte Care-Arbeit global 9 % des BIP ausmacht – in Lateinamerika sogar 15,7 bis 24,2 %. „Ohne diese Arbeit würde die Gesellschaft nicht funktionieren“, zitiert Ultima Hora die Argumentation des Forums.
Ein Lichtblick kam im vergangenen Jahr: Erstmals berücksichtigte ein Jugendgericht in Paraguay die „Kosten der Erziehung“ (costo de crianza) und die „Verlustchance“ der Mutter, um den Unterhalt zu erhöhen. Der Richter Guillermo Trovato erklärte: „Es geht nicht nur um Geld für Essen und Medizin. Der unsichtbare Preis ist die tägliche Hingabe – das Vorlesen, das Aufstehen, die Geduld.“ Die Mutter hatte das Kind allein großgezogen, der Vater kaum Kontakt. Das Urteil wertet Ultima Hora als historischen Schritt, der mehr wert sei als „Poesie und Blumen“.