Wie jeden Sonntag machte sich ein Redakteur von ABC Color auf den Weg zum Zeitungsstand von Don Damián auf dem Mittelstreifen der Avenida Brasilia. Doch der Stand war verschwunden – keine Zeitungen, keine Kräuter, kein Lächeln von Ña Olga. Ein Passant berichtete, das Paar sei seit zwei bis drei Wochen nicht mehr gekommen.
Don Damián, ein ehemaliger Taxifahrer, hatte den Stand gemeinsam mit seiner Frau betrieben. „Als der Rücken und die Augen nicht mehr mitmachten“, wie er selbst sagte, widmete er sich dem Verkauf von Zeitungen und selbst zubereiteten Heilkräutern. Das Geschäft reichte, um den Tag zu überstehen und sich kleine Luxusgüter zu leisten, erzählte er einmal.
Der Artikel von ABC Color zeichnet ein Bild von einer Zeit, als Zeitungsverkäufer – die „Canillitas“ – noch durch die Viertel zogen und feste Kioske als soziale Treffpunkte dienten. Doch Digitalisierung und der Drang nach sofortiger Information hätten diesen Wandel beschleunigt. „Die ersten, die verschwanden, waren die Canillitas. Keine Ehrungen, keine Verabschiedungen. Eines Tages kamen sie einfach nicht mehr“, heißt es in dem Meinungsbeitrag.
Der Stand von Don Damián war mehr als ein Verkaufsort: Er war ein Ort der Begegnung, an dem über Politik, Fußball und das Wetter diskutiert wurde. Mit seinem Verschwinden verliere die Stadt ein Stück ihrer Identität, so der Autor. Ob sich das Paar in den Ruhestand verabschiedet hat oder die schwindenden Verkaufszahlen den Ausschlag gaben, bleibt offen. „Wie dem auch sei, die Abwesenheit dieser beiden netten Menschen wird auf der Brasilia vermisst werden“, schließt der Artikel.