Der Präsident des paraguayischen Kongresses, der Colorado-Senator Basilio „Bachi“ Núñez, sieht sich mit einer weiteren rechtlichen Komplikation konfrontiert. Am Dienstag ging bei der Spezialeinheit für Wirtschafts- und Korruptionsdelikte (UDEA) eine Erweiterung der Strafanzeige gegen den Abgeordneten ein, die mutmaßliche systematische Begünstigungen von Familienangehörigen offenlegt, insbesondere den Fall seiner Nichte Berenice Ayelén Sosa Cabrera.
Laut dem vom Anwalt Francisco Rubén Penayo Almada vorgelegten Dokument trat die junge Frau im Oktober 2023 im Alter von 18 Jahren mit dem einzigen Titel eines Abiturabschlusses in das Oberhaus ein und wurde zunächst im Büro ihres Onkels mit einem Gehalt von 4.500.000 Guaraníes (etwa 3.000 brasilianische Real) eingestellt.
Nach Núñez‘ Amtsantritt als Kongresspräsident im Juli 2024 begannen die rasanten Neuklassifizierungen. Zunächst wurde sie zur „Fachkraft I“ befördert, mit einem Gehalt von 7.100.000 Guaraníes. Sechs Monate später, im Januar 2025, erfolgte eine weitere Erhöhung auf 9.500.000 Guaraníes – ein kumulierter Anstieg von 111 Prozent in kurzer Zeit.
Die Erweiterung der Anzeige bestätigt Anhaltspunkte für Vertrauensmissbrauch und unzulässige Honorarforderungen, fügt jedoch den Straftatbestand der Eigennützigkeit (Artikel 8 des Gesetzes Nr. 2.523/2004) hinzu. Der Anzeigenerstatter argumentiert, dass Núñez seine Befugnisse als Anordnungsbefugter für Ausgaben nicht im institutionellen Interesse, sondern zur Bereicherung seines engsten Umfelds genutzt habe, und beziffert den geschätzten Schaden für die öffentliche Hand bis zum Ende der Legislaturperiode 2028 auf rund 370.000.000 Guaraníes.
Die bereits bei der Staatsanwaltschaft eingereichte Anzeige fordert dringend die Übermittlung der vollständigen Personalakte der Mitarbeiterin durch den Senat, einschließlich biometrischer Anwesenheitsaufzeichnungen, sowie die Bereitstellung der Vermögenserklärungen der jungen Frau durch die Generalrechnungskontrolle der Republik, um zu überprüfen, ob eine tatsächliche Gegenleistung in Höhe der erhaltenen Beträge erfolgte.