Der Stadtrat Pablo Callizo (PPQ) und der Anwalt Maximiliano Seiferheld haben bei der Wirtschaftskriminalitätsabteilung der Staatsanwaltschaft eine erweiterte Strafanzeige eingereicht. Darin werden neue Methoden der Treibstoffabzweigung in der Straßenbauabteilung der Stadt Asunción detailliert beschrieben. Die Anzeige behauptet, dass das als „Asphalt-Mafia“ bekannte Korruptionssystem trotz der vom Bürgermeister Luis Bello (ANR) angeordneten Verwaltungsintervention weiter aktiv ist.
Laut den Anzeigenden sei der tägliche Treibstoffverbrauch zwar von etwa 2.500 auf 800 Liter gesunken, doch die Betrugsmethoden hätten sich lediglich verändert. Die frühere Praxis, bei der Kanister außerhalb der Behörde befüllt und weiterverkauft wurden, sei durch ein neues Verfahren ersetzt worden: Die Fahrzeuge der Straßenbauabteilung verließen die Dienststelle mit vollen Tanks, während des Einsatzes werde der Treibstoff über Schläuche abgezapft und in Kanistern zur Weiterveräußerung gelagert.
Die Anzeige kritisiert schwerwiegende administrative Mängel, die das System begünstigten, darunter die fehlende Kontrolle der Fahrzeugkilometer, die in leicht manipulierbaren manuellen Tabellen erfasst würden. Die Anzeigenden äußerten Bedenken über die Ausrichtung der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die sich auf untergeordnete Mitarbeiter wie Werkstattaufträge konzentrierten, statt die mutmaßlichen Drahtzieher zu verfolgen: den ehemaligen Abteilungsleiter Nicolás Duarte, den früheren Verwaltungschef Denis Godoy und den ehemaligen Verantwortlichen für Treibstoff, Carlos Bernal.
Als konkrete Belege werden unter anderem Dieselkraftstoff der höchsten Qualität genannt, der für nicht einsatzfähige Fahrzeuge abgerechnet wurde. In der Anzeige werden drei Ford-Cargo-Lastwagen (Kennzeichen AABL 644, BHE 131 und BSD 874) genannt, die laut Überprüfungen seit über einem Jahr außer Betrieb, abgestellt oder sogar versteigert worden seien, aber weiterhin in den Betankungsprotokollen auftauchten. Der für den Treibstoff zuständige Carlos Bernal habe in einer Audioaufnahme erklärt, eines der Fahrzeuge stehe seit etwa zwei Jahren „aufgebockt“.
Pablo Callizo erklärte, er verfüge über Bildmaterial, das die illegale Befüllung von Kanistern in den Räumlichkeiten der Straßenbauabteilung zeige, darunter auch Aufnahmen aus der Nachtschicht. Er schätzt, dass monatlich etwa 40.000 Liter Treibstoff abgezweigt werden, was einen finanziellen Schaden von rund 400 Millionen Guaraní pro Monat für die Stadtkasse bedeute. Der Stadtrat brachte das System zudem mit einer mutmaßlichen illegalen Finanzierung politischer Kampagnen in Verbindung und behauptete, es gebe eine Anweisung, Gelder für den Wahlkampf von Camilo Pérez bei der Wahl am 4. Oktober zu beschaffen.
Die Anzeigenden forderten die Staatsanwaltschaft auf, den Interventionsbeauftragten Óscar Pérez zu vernehmen, damit dieser die Grundlagen seiner Aussage über den Rückgang des Treibstoffverbrauchs präzisiere, einschließlich der Vergleichszeiträume und der eingeführten Kontrollmechanismen. Sie warnten, dass die Verzögerung bei Durchsuchungen und der Sicherstellung von Mobilgeräten der Hauptverdächtigen zur Vernichtung entscheidender Beweismittel geführt haben könnte.
