Die Staatsanwaltschaft Paraguays hat vier Direktoren des Labors Indufar CISA wegen mutmaßlichen Betrugs, Untreue und krimineller Vereinigung angeklagt. Die Strafanzeige, eingereicht von der Staatsanwältin Natalia Montanía aus Hernandarias und zugelassen von Richter Nelio Prieto aus Ciudad del Este, beschuldigt die Führungskräfte Óscar Humberto Simón Palmerola, Cynthia Montserrat Ríos Villagra, Darío Alejandro Zanin und José Luis Rodríguez, kommerzielle Vereinbarungen verletzt zu haben, um sich die Formel und den Markt des Medikaments Tirzepatid anzueignen.
Laut der Staatsanwaltschaft soll das Unternehmen Bem Estar Clínica SA im November 2024 vertrauliche Informationen und die magistrale Formel des Produkts an Indufar übermittelt haben, basierend auf einer Vertraulichkeitsvereinbarung und einem exklusiven Vertriebsvertrag, der im Juni 2025 unterzeichnet wurde. Nachdem Indufar jedoch auf den Einkaufsplan und die Marktprognose von Bem Estar Zugriff erhalten hatte, habe das Pharmaunternehmen die Lieferung des Medikaments im Juli 2025 mit Verweis auf "Produktionsanpassungen" drastisch gekürzt und die Klinik damit fast sechs Monate lang ohne regelmäßige Versorgung gelassen.
Während Bem Estar mit der Unterversorgung kämpfte, soll Indufar die Produktion umgeleitet haben, um ein Netz von Apotheken zu beliefern, die mit seinen Direktoren verbunden sind, darunter Farmanext, Farmawell, Farmácia do Sul, Farmacon und Farmafoz. Die Staatsanwaltschaft behauptet zudem, die Direktoren hätten die Gesundheitszulassung des Medikaments für die Marke Lipofarbil von Bem Estar bei der Dinavisa (Nationale Direktion für Lebensmittel- und Gesundheitsüberwachung) vorsätzlich vereitelt, um die Produktion auf die eigene Marke TG von Indufar zu konzentrieren. Der mutmaßliche Vermögensschaden für die Klinik wird auf etwa 4 Millionen US-Dollar beziffert.
Als Reaktion darauf bezeichnete die Verteidigung der Direktoren, vertreten durch die Anwältin Bettina Legal Balmaceda, die Anklage als "Würgegriff" und erklärte, es handele sich um einen rein kommerziellen, keinen strafrechtlichen Konflikt. Die Verteidigung argumentiert, dass eine notarielle Aufhebungsvereinbarung vom Juni 2025, in der Bem Estar angeblich 150.000 US-Dollar erhalten und auf künftige Ansprüche verzichtet habe, in der Untersuchung nicht berücksichtigt worden sei. Sie weisen zudem darauf hin, dass die Zivilgerichtsbarkeit bereits einstweilige Verfügungen und einen Schadensersatzantrag derselben Klägerin in Höhe von 62,5 Millionen US-Dollar vollständig abgelehnt habe und im Vertrag eine obligatorische Schiedsklausel bestehe, die nicht genutzt worden sei.
Die Vorverhandlung für die Angeklagten ist für den 29. Juli angesetzt, während Indufar betont, seinen Betrieb normal aufrechtzuerhalten und seine Direktoren weiterhin der Justiz zur Verfügung zu stehen, um ihr Recht auf Verteidigung wahrzunehmen.
