Der Satz „Man muss die Paraguayer schon im Mutterleib töten“ wird häufig Domingo Faustino Sarmiento zugeschrieben, doch eine von der *Última Hora* veröffentlichte Untersuchung zeigt, dass der ehemalige argentinische Präsident diesen Satz nicht verfasst hat. Der Ausschnitt stammt aus einem politischen Flugblatt, das Luís Alves de Lima e Silva, dem Herzog von Caxias, zugeschrieben wird, dessen Urheberschaft und Echtheit jedoch ebenfalls nicht belegt sind.
Sarmiento, der am 11. September 1888 in Asunción starb, wurde mit dieser Aussage in Verbindung gebracht, nachdem eine verkürzte und aus dem Zusammenhang gerissene Version des Textes verbreitet wurde. Das Flugblatt umfasst 13 Seiten und wird in der Bibliothek des Museo Mitre in Buenos Aires aufbewahrt. Es trägt den Titel „Privater Bericht des Marquis von Caxias, Marschall des Heeres im Krieg gegen die Regierung Paraguays, an Seine Majestät den Kaiser von Brasilien, Dom Pedro II“. Das Dokument ist auf den 18. November 1867 datiert und stammt aus der Zeit des Tripel-Allianz-Kriegs.
Im vollständigen Wortlaut stellt Caxias angeblich die rhetorische Frage, wie viel Zeit, Männer, Leben und Ressourcen nötig wären, um die gesamte paraguayische Bevölkerung „in Rauch und Staub“ zu verwandeln, „indem man sogar den Fötus im Mutterleib der Frau tötet“. Die Formulierung erscheint als Teil einer Reflexion über die Kosten und Dauer des Krieges, nicht als expliziter militärischer Vernichtungsbefehl.
Das Flugblatt lobt zudem den Mut der paraguayischen Soldaten und behauptet, dass Gold nicht ausreichen würde, um den Patriotismus der Bevölkerung zu besiegen, solange sie unter dem Einfluss von Francisco Solano López stehe. Der Text wurde 1979 von Julio José Chiavenato in seinem Buch *Amerikanischer Völkermord* wiedergegeben.
Chiavenato räumte jedoch ein, dass das Originalmanuskript des angeblichen Berichts nicht verfügbar war. Er vermutete, das Dokument könne unter den vielen Kriegsakten verloren gegangen sein, die verbrannt, gestohlen, zerstört oder abhandengekommen waren. Zudem fehlen dem Flugblatt ein Impressum – also eine editorische Kennzeichnung – sowie ein Druckdatum, was für die Feststellung seiner Herkunft relevant ist.
Die Recherche der *Última Hora*, die den Fall untersuchte und mit den für die Bestände zuständigen Institutionen Kontakt aufnahm, förderte zudem zwei dokumentierte Antworten zutage. In einem Schreiben vom 6. November 1979 erklärte der Direktor des Museo Mitre, dass es sich nicht um einen handschriftlichen Brief von Caxias handle, sondern um ein politisches Flugblatt, das von Gegnern Bartolomé Mitres verfasst und fälschlicherweise als Werk des brasilianischen Kommandeurs ausgegeben worden sei. Er stufte es als „apokryph“ ein.
Das Museu Imperial in Petrópolis teilte auf Anfrage der Direktion für Kulturangelegenheiten des brasilianischen Heeres mit, den Brief nicht zu besitzen. Diese Information wurde in der *Revista Militar Brasileira* im Mai 1980 in Band 116 auf Seite 125 veröffentlicht.
Das Flugblatt selbst stützt die These einer politischen Propaganda, indem es Caxias eine Anschuldigung gegen Mitre in den Mund legt: Dieser habe angeblich zugestimmt, mit Cholera infizierte Leichen in den Paraná-Fluss zu werfen, um die Bevölkerung von Corrientes, Entre Ríos und Santa Fe zu treffen. Diese Behauptung ist durch die verfügbaren Unterlagen nicht belegt.
Somit gibt es keine belastbare Grundlage, den Satz Sarmiento zuzuschreiben. Was vorliegt, ist ein politisches Flugblatt ohne nachgewiesene Urheberschaft, ohne Originalhandschrift und ohne vollständige editorische Angaben, das später in einer Publikation über den Krieg wiedergegeben wurde. Diese dokumentarischen Lücken verhindern, es als authentischen historischen Brief von Caxias zu behandeln.
