Die argentinische Fluggesellschaft Flybondi, die unter dem Namen FB Líneas Aéreas S.A. operiert, steckt in einer tiefen finanziellen Krise. Ihre Bankkonten wurden aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung wegen Steuerschulden gesperrt. Die argentinische Steuer- und Zollbehörde (ARCA) hat acht Vollstreckungsverfahren gegen das Unternehmen eingeleitet, weil es zwischen März und Juni 2026 fällige Zahlungen nicht geleistet hat. Dazu gehören Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung sowie einbehaltene Steuern wie Mehrwertsteuer und Gewinnsteuer.
In sechs dieser Verfahren wurden einstweilige Maßnahmen angeordnet, die zur Sperrung der Konten führten. Die öffentlich bekanntgegebenen Schulden sind beträchtlich: 1980 Millionen argentinische Pesos für März, 1403 Millionen für Mai und 1787 Millionen für Juni. Im Juni-Verfahren verhängte die Bundesrichterin Alicia Isabel Braghini einen Zuschlag von 15 % auf die ausstehende Summe, wodurch sich die Forderung des Fiskus weiter erhöhte.
Neben den Konflikten mit dem Finanzamt häufen sich bei Flybondi Verzögerungen bei der Auszahlung der Gehälter für Juni und Juli sowie des halben Jahresgehalts (Aguinaldo) für einen Teil der Belegschaft. Aktive und ehemalige Mitarbeiter berichten vom Verlust der Krankenversicherung, was medizinische Behandlungen beeinträchtigt. Über 700 ehemalige Angestellte warten seit mehr als drei Monaten auf die Auszahlung von Abfindungen nach Kündigungen, und viele haben bereits Klage eingereicht, um bereits anerkannte Vereinbarungen einzufordern.
Auch die operative Lage ist instabil. Zwischen dem 6. und 10. August stornierte das Unternehmen 66 Flüge – ein chronisches Problem, das dazu führte, dass Brasilien den Verkauf von Tickets einschränkte. Dennoch erlaubte die argentinische Zivilluftfahrtbehörde (ANAC) Flybondi, den Betrieb fortzusetzen, nachdem das Unternehmen einen Maßnahmenplan vorgelegt hatte. Die ANAC bestätigte, dass die Sicherheitsanforderungen erfüllt werden. Allerdings verhängte sie zwei neue Bußgelder für Stornierungen im Juni und Juli, die zu früheren Sanktionen hinzukommen. Insgesamt belaufen sich die Strafen auf 54,7 Millionen Pesos, und in 22 laufenden Verwaltungsverfahren drohen weitere Strafen von über 450 Millionen Pesos.
Vor diesem Hintergrund mehren sich in der Branche die Anzeichen, dass das Unternehmen kurz vor der Einleitung eines Insolvenzverfahrens nach argentinischem Recht (concurso preventivo) steht. Dies würde eine Aussetzung der Verbindlichkeiten und eine Umstrukturierung der Schulden ermöglichen. Quellen aus dem Umfeld des Unternehmens betonen jedoch, dass bisher keine formelle Entscheidung getroffen wurde.
