Ist Paraguay sicher? Was Kriminalitätsdaten zeigen können—und was nicht

Tötungsdelikte erlauben einen begrenzten Vergleich; die tatsächliche Gefährdung variiert nach Ort, Route, Geschlecht und Tätigkeit, und Verwaltungsdaten ergeben keine Rangliste von Stadtvierteln.

Ist Paraguay sicher? Was Kriminalitätsdaten zeigen können—und was nicht

Datenstand: 7. August 2026. Sicherheit ist keine einzelne Zahl. Mit einer Tötungsrate lässt sich tödliche Gewalt zwischen Ländern einigermaßen sinnvoll vergleichen. Sie verrät aber nicht, wie wahrscheinlich ein Handydiebstahl vor einem bestimmten Supermarkt am Freitagabend ist. Polizeidaten zeigen, was in den Arbeitsablauf einer Behörde gelangt ist; sie erfassen nicht jede nicht angezeigte Tat. Und eine Rate für ein Departamento sagt wenig über den nächsten Häuserblock aus.

Genau diese Unterscheidung ist für ein ehrliches Bild Paraguays entscheidend. Das Land ist weder überall so gefährlich, wie manche Außenstehende meinen, noch allein deshalb ein kriminalitätsarmes Paradies, weil der Alltag häufig ruhig wirkt. Die kurze Antwort lautet: Bei tödlicher Gewalt liegt Paraguay zwischen seinen Nachbarn, die inneren Unterschiede sind jedoch enorm. Für Ranglisten der Stadtviertel Asuncións oder saubere internationale Vergleiche von Diebstahl und Raub sind die aktuellen amtlichen Daten zu grob.

Der brauchbarste Ländervergleich: vorsätzliche Tötungen

Für Ländervergleiche ist die vorsätzliche Tötung meist der am wenigsten problematische Kriminalitätsindikator. Ein Todesfall bleibt seltener unregistriert als ein gestohlenes Telefon, und die internationale Reihe verwendet einen gemeinsamen statistischen Begriff. Die Weltbank veröffentlicht die Reihe des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung je 100.000 Einwohner. Im jüngsten gemeinsamen Jahr 2023 lagen die Werte ungefähr bei:

LandVorsätzliche Tötungen je 100.000, 2023
Deutschland0,91
Argentinien4,49
Paraguay6,78
Brasilien19,28

Daraus folgen drei vorsichtige Aussagen. Paraguays Rate war etwa siebeneinhalbmal so hoch wie die deutsche. Sie lag ungefähr um die Hälfte über der argentinischen. Brasilien wiederum lag fast beim Dreifachen Paraguays. Diese Verhältnisse beschreiben eine besonders schwere Form von Gewalt in einem Jahr. Sie bedeuten nicht, dass für jede Person, jede Stadt und jede Fahrt dasselbe Risikoverhältnis gilt.

Man sollte diese internationale Reihe nicht mit einer nationalen Tabelle vermischen und identische Dezimalstellen erwarten. Paraguays ODS-Plattform des Statistikamts INE weist für 2023 7,3 und für 2024 7,5 aus amtlichen Polizeiregistern aus. Unterschiedliche Veröffentlichungsstände, Klassifikationen und Prüfverfahren können kleinere Abweichungen erzeugen. Für den Ländervergleich gehören alle vier Länder in dieselbe Weltbank/UNODC-Reihe; für die jüngste paraguayische Binnenkarte ist die INE-Tabelle maßgeblich.

Das nationale Ergebnis 2024 – und die Geografie dahinter

Der nationale INE-Indikator nennt für 2024 7,5 Opfer vorsätzlicher Tötungen je 100.000 Einwohner. Das ist etwas mehr als 7,3 im Jahr 2023, aber weniger als in jedem Jahr von 2015 bis 2022. Die längere Entwicklung ist deshalb aussagekräftiger als die bloße Behauptung, Kriminalität sei 'gestiegen' oder 'gesunken'.

Die Raten der Departamentos zeigen, wie viel der Landesdurchschnitt verdeckt:

  • Amambay: 41,2 je 100.000
  • Canindeyú: 22,4
  • Presidente Hayes: 15,3
  • Concepción: 13,1
  • San Pedro: 8,5
  • Asunción: 8,1
  • Alto Paraná: 7,8
  • Central: 3,2
  • Caaguazú: 3,9
  • Cordillera: 4,0

Das ist bewusst keine vollständige Rangliste. Bei Boquerón und Alto Paraguay druckt die INE-Tabelle wegen einer Bevölkerung unter 100.000 die Werte je 10.000 aus, während die übrigen Gebiete je 100.000 angegeben werden. Wer die angezeigten Zahlen ungeprüft sortiert, vergleicht verschiedene Einheiten. Bei kleinen Bevölkerungen schwanken Jahresraten zudem stark: Schon wenige Fälle können sie deutlich verändern.

Das Grundmuster ist dennoch klar. Tödliche Gewalt konzentriert sich sehr viel stärker in Teilen der nördlichen und nordöstlichen Grenzregion als im bevölkerungsreichen Departamento Central. Das heißt weder, dass jeder Ort in Amambay zu jeder Uhrzeit gefährlich ist, noch dass jeder Ort in Central sicher ist. Es zeigt, dass 'Paraguays Kriminalitätsrate' keine standortbezogene Prüfung ersetzt.

Warum es hier keine seriöse Rangliste der sichersten Viertel Asuncións gibt

Die für diesen Beitrag verwendeten aktuellen amtlichen Quellen liefern eine Tötungsrate für ganz Asunción, aber keine neue Vierteltabelle mit einheitlichen Grenzen, Bevölkerungsnennern und Deliktsdefinitionen. 2024 lag die Rate der Hauptstadt bei 8,1 je 100.000, nach 10,4 im Jahr 2023. Daraus lässt sich keine belastbare Rangfolge der Barrios ableiten.

Rohe Fallzahlen lösen das Problem nicht. Innenstadt-, Nachtleben- und Geschäftsviertel ziehen Pendler und Besucher an, die im Nenner der Wohnbevölkerung fehlen. Ein belebtes Viertel kann mehr Diebstähle verzeichnen, weil dort mehr Menschen und Transaktionen stattfinden, nicht weil jeder Bewohner das höchste Risiko trägt. Eine ruhig wirkende Gegend kann weniger Anzeigen, aber schlechtere Beleuchtung, längere Einsatzwege oder stärkere Untererfassung haben. Auch Polizeireviere decken sich nicht zwingend mit Barrio-Grenzen.

Eine sinnvolle Wohnungsprüfung ist deshalb kleinräumig und aktuell: den genauen Block tagsüber und nach Einbruch der Dunkelheit besuchen; den Weg zu Haltestelle oder Parkplatz abgehen; Beleuchtung und Sichtachsen prüfen; mehrere voneinander unabhängige Nachbarn oder Hausangestellte nach jüngsten Vorfällen fragen; kontrollieren, ob Tore tatsächlich schließen; und klären, welche Comisaría zuständig ist. Crowdsourcing-Karten und Makleraussagen sind Hinweise, keine Messwerte.

Diebstahl, Einbruch, Fahrzeugdiebstahl und bewaffneter Raub sind nicht dasselbe

Das paraguayische Strafrecht unterscheidet hurto und robo. Nach Artikel 161 des Strafgesetzbuchs ist hurto die Wegnahme einer fremden beweglichen Sache mit Zueignungsabsicht. Artikel 166 macht daraus robo, wenn Gewalt gegen eine Person oder eine gegenwärtige Drohung für Leben oder körperliche Unversehrtheit eingesetzt wird. Nach Artikel 167 ist der Raub unter anderem dann verschärft, wenn eine Schuss- oder andere Waffe mitgeführt, ein Dritter gegenwärtig gefährdet oder als Mitglied einer auf fortgesetzte Raub- und Diebstahlstaten ausgerichteten Bande gehandelt wird.

Der englische Sammelbegriff 'burglary' hat in der hier zitierten Polizeibilanz keine einzelne deckungsgleiche Rubrik. Artikel 162 ordnet bestimmte Formen gewaltsamen oder irregulären Eindringens – Aufbrechen einer Sicherung, Einsteigen, falscher Schlüssel oder verborgenes Verbleiben in einem Gebäude – unter den dort genannten Voraussetzungen als verschärften Diebstahl ein. Jede Anzeige von hurto agravado pauschal als Einbruch zu übersetzen wäre daher zu einfach. Ebenso darf ohne Einzelfalldaten nicht jeder Fall von robo agravado als bewaffneter Raub bezeichnet werden.

Der Jahresbericht der Nationalpolizei zeigt eine weitere Falle. Die Direktion zur Ermittlung strafbarer Handlungen meldet für Januar bis Dezember 2024 Ermittlungen zu 426 Fällen von hurto, 1.120 Fällen von hurto agravado, 111 Raubfällen und 683 Fällen von robo agravado. Hinzu kommen 22 Ermittlungen wegen Fahrzeugdiebstahls. An anderer Stelle desselben Berichts nennt die spezialisierte Direktion für Autoverwertungsplätze 1.018 als gestohlen gemeldete und 783 wiedergefundene Fahrzeuge. Das sind verschiedene Arbeitstabellen verschiedener Einheiten. Sie sind keine konkurrierenden Schätzungen eines nationalen Gesamtwerts und dürfen nicht addiert werden.

Dasselbe gilt für die dort genannten 286 untersuchten Fälle vorsätzlicher Tötung. Die ODS-Rate des INE basiert auf Opfern, die in einer Anzeige oder einem Polizeieinsatz registriert wurden. Fallbestand, Opferzahl und international harmonisierte Rate hängen zusammen, sind aber statistisch nicht identisch.

Warum Vergleiche von Diebstahl mit Deutschland, Brasilien oder Argentinien schneller scheitern

Nationale Polizeizahlen nebeneinanderzustellen ist verführerisch und oft irreführend. Staaten definieren Delikte unterschiedlich, trennen Versuch und Vollendung anders, zählen ein Ereignis oder mehrere Opfer verschieden und haben abweichendes Anzeigeverhalten sowie andere Polizeisysteme. Fahrzeugbestand, Versicherungspflichten und Online-Anzeigen beeinflussen ebenfalls, ob ein Diebstahl in einer amtlichen Akte landet.

Die paraguayische Viktimisierungsbefragung von 2019 erklärt, weshalb Haushaltsumfragen und Polizeistatistik sich ergänzen. Umfragen können nicht angezeigte oder nicht registrierte Delikte sowie Wahrnehmungen sichtbar machen. Polizeidaten beschreiben institutionelle Arbeit und erfassen manche schweren Taten besser, die allgemeine Bevölkerungsumfragen nur schwach messen. Die Erhebung umfasste ausgewählte Polizeibezirke in Asunción und Central und bezog sich auf Ereignisse von September 2018 bis August 2019. Sie ist methodisch wertvoll, aber keine aktuelle landesweite Viertelkarte.

Dieser Beitrag vergleicht Paraguay mit Deutschland, Argentinien und Brasilien deshalb ausschließlich bei vorsätzlichen Tötungen aus einer gemeinsamen Quelle. Er behauptet nicht, Paraguays Einbruchsrisiko betrage ein bestimmtes Vielfaches des deutschen oder sein Motorraddiebstahlrisiko ein bestimmtes Vielfaches des brasilianischen. Die hier verfügbaren öffentlichen Daten tragen solche Aussagen nicht.

So lassen sich die Zahlen praktisch nutzen

Für Umzug, Reise oder Geschäft sollte man vom Großen zum Kleinen vorgehen:

  1. Ländervergleich: denselben harmonisierten Indikator und dasselbe Jahr verwenden. Tötungsdelikte zeigen schwere Gewalt, sind aber kein universeller Sicherheitsindex.
  2. Departamento: die aktuelle amtliche Inlandsreihe nutzen, Einheit prüfen und mehrere Jahre lesen. Ein einzelnes Jahr schwankt bei kleinen Bevölkerungen.
  3. Stadt und genaue Adresse: aktuelle lokale Informationen suchen und Strecke sowie Tageszeit beobachten. Aus der Rate für ganz Asunción keine Barrio-Behauptung machen.
  4. Art der Exposition: Fußgänger mit Smartphone, ländlicher Grundstückseigentümer, Nachtschichtarbeiterin und Motorradfahrer haben unterschiedliche Risiken.
  5. Herkunft der Zahl: klären, ob Anzeigen, Ermittlungen, Opfer, Verurteilungen oder Umfrageantworten gezählt werden. Sie sind nicht austauschbar.

Fazit

In der jüngsten vergleichbaren Tötungsdelikt-Reihe liegt Paraguay klar über Deutschland und etwas über Argentinien, aber erheblich unter Brasilien. Die Binnenkarte 2024 ist ausgesprochen ungleich: sehr hohe Raten in Amambay und Canindeyú stehen deutlich niedrigeren Werten in Central gegenüber. Aus der stadtweiten Rate Asuncións folgt keine Viertelrangliste.

Bei Eigentumsdelikten ist das ehrliche Ergebnis weniger griffig, aber nützlicher: Die aktuellen Verwaltungszahlen beschreiben Teile der Polizeiarbeit, nicht die vollständige Wahrscheinlichkeit, selbst Opfer zu werden. Vor der Zahl müssen Kategorie, Einheit, Gebiet, Jahr und Behörde gelesen werden. Die nationale Statistik ist der Beginn einer Sicherheitsprüfung – kein Urteil über eine Adresse.

Drei Fragen, die eine nationale Kriminalitätsrate nicht beantwortet

Machen Mauern, Kameras und Wachpersonal ein Haus sicher? Sie können bestimmte Tatgelegenheiten verringern, sind aber Maßnahmen und keine Garantie. Ihr Wert hängt vom genauen Straßenabschnitt, der Beleuchtung, Zugangskontrolle, Wartung, Reaktion und dem Verhalten ab, gegen das sie gerichtet sind. Eine hohe Mauer ist kein statistisches Maß für die Gefahr eines Viertels.

Beschreibt die allgemeine Rate die Sicherheit von Frauen? Nein. Tabellen zu Tötungsdelikten und Raub messen weder Belästigung, kontrollierendes Verhalten und häusliche Gewalt noch die praktische Erreichbarkeit von Not- und Hilfsdiensten. Frauen, die Wohnung, Arbeitsweg oder Arbeitsplatz prüfen, brauchen aktuelle lokale Informationen und einen eigenen Plan für Verkehrsmittel, Kommunikation und Unterstützung. Bei unmittelbarer Gefahr sind Notdienste zuständig, nicht ein Internetvergleich.

Beschreibt organisierte Kriminalität an der Grenze das Risiko jedes Besuchers? Nein. Schmuggel- und Drogenhandelsnetze sowie institutionelle Korruption können schwere Gewalt konzentrieren, ohne für jeden Bewohner oder Reisenden dieselbe Gefährdung zu schaffen. Grenzdepartamentos sind intern vielfältig. Nutzen Sie routenspezifische amtliche Hinweise, aktuelle lokale Berichte und das genaue Ziel, statt eine Netzwerkkarte in eine Karte des Haushaltsrisikos umzudeuten.

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Quellen (10)

Aktualisiert: 25.08.2026, 01:00