Der Präsident des Abgeordnetenhauses, Raúl Latorre (ANR, HC), erklärte, dass die Entscheidung über den neuen Antrag auf Aufhebung der Immunität gegen den Cartista-Abgeordneten Esteban Samaniego von einer Einigung abhängt, an der drei weitere Parlamentarier mit anhängigen Verfahren beteiligt sind. Für die Absetzung sei eine Zweidrittelmehrheit (53 Stimmen) erforderlich, die keine politische Kraft allein erreichen könne.
Richter Osmar Legal hatte den Antrag auf Immunitätsaufhebung gegen Samaniego im Verfahren wegen mutmaßlicher Vermögensschäden in Höhe von 1,108 Millionen Guaraníes, die während seiner Zeit als Bürgermeister von Quyquyhó entstanden sollen, erneut gestellt. Das Verfahren betrifft auch die Ehefrau des Abgeordneten und amtierende Bürgermeisterin der Gemeinde, Patricia Corvalán (ANR, HC), und steht kurz vor der mündlichen Verhandlung.
Samaniego hat insgesamt vier Anträge auf Immunitätsaufhebung erhalten, der älteste aus dem Jahr 2019. Drei der Verfahren betreffen körperliche Angriffe und Eigentumsverletzungen ohne politische Motivation. Ausnahme ist der Fall des Dissidenten Mauricio Espínola, bei dem sich ein positives Gutachten nach der Veröffentlichung von Chats ergab, in denen Horacio Cartes' Anwalt Pedro Ovelar dem Staatsanwalt Aldo Cantero direkte Anweisungen erteilte.
Latorre vertrat die Auffassung, dass die Aufhebung der Immunität aller Parlamentarier einen politischen Konsens erfordert, und nannte das Beispiel Espínola, der in einem anderen Verfahren wegen fahrlässiger Tötung freiwillig um seine Absetzung gebeten habe. Roya Torres und Cleto Marcelino Giménez von der Liberalen Partei reagieren ebenfalls auf Verfahren, die mit ihren Büros zusammenhängen.
Das Abgeordnetenhaus legt die parlamentarische Immunität weit aus, obwohl Artikel 191 der Verfassung lediglich die in Ausübung des Amtes geäußerten Meinungen und die Fälle von Fahndungsschutz bei Flagrantdelikten schützt.
