Paraguay hat ein geringes geologisches Erdbebenrisiko, es fehlt jedoch an struktureller Vorbereitung auf moderate Erdbeben

Paraguay hat ein geringes geologisches Erdbebenrisko, da es im Zentrum der Südamerikanischen Platte liegt und weit entfernt von aktiven Plattengrenzen positioniert ist. Dem fehlen jedoch strukturelle Vorkehrungen, Notfallprotokolle und präventive Aufklärung, um sich moderaten Erdbeben stellen zu können.

Paraguay hat ein geringes geologisches Erdbebenrisiko, es fehlt jedoch an struktureller Vorbereitung auf moderate Erdbeben
KI-generierte Illustration.

Die tödlichen Erdbeben, die Venezuela erschütterten, haben die Debatte über das seismische Risiko in der Region neu entfacht und eine unvermeidliche Frage in Paraguay aufgeworfen: Könnte das Land von einem Ereignis ähnlicher Stärke betroffen sein? Für Experten, die von ABC Color befragt wurden, ist die Antwort aus geologischer Sicht beruhigend, was jedoch die strukturelle Vorbereitung betrifft, ist sie besorgniserregend.

Laut dem Geologen Diego López, Leiter des Seismologischen Labors der Fakultät für Exakte und Naturwissenschaften (Facen) der Nationaluniversität von Asunción, hatte das heftige Erdbeben in Venezuela eine streng lokale tektonische Ursache. In dieser Region verläuft die Karibikplatte seitlich an der Südamerikanischen Platte vorbei, eine ständige Wechselwirkung, die Spannungen aufbaut, bis sie zu Brüchen und Erdbeben großer Magnitude führen. Das Ereignis wurde als „seismisches Doppel" klassifiziert, mit zwei Erschütterungen mit einer Magnitude zwischen 7,1 und 7,5, getrennt durch lediglich 39 Sekunden.

Die geologische Realität Paraguays ist jedoch eine völlig andere. Professor López erklärt, dass das Land aufgrund seiner geografischen Lage fernab der aktiven Plattengrenzen – es liegt im Intraplattenbereich, im Zentrum des Kontinents – über eine niedrige bis mäßige Seismizität verfügt. Das bedeutendste in Paraguay registrierte Erdbeben ereignete sich 1982 mit einem Epizentrum im Bajo Chaco und einer Stärke von 5,2 auf der Richterskala, das im Großraum Asunción stark zu spüren war. Das letzte relevante Ereignis wurde 1989 mit einer Magnitude von 5,6 dokumentiert. Seither wurden nur schwachere Erschütterungen verzeichnet.

Trotz des geringen geologischen Risikos warnt der Leiter des Seismologischen Labors davor, dass Paraguay nicht einmal auf ein moderates Erdbeben vorbereitet ist. Die städtische Infrastruktur, die Notfallprotokolle und die Bürgeraufklärung entbehren jeder vorbeugenden seismischen Ausrichtung. Das Fehlen von Aufzeichnungen über Ereignisse hoher Magnitude hat das Thema von der öffentlichen Agenda verdrängt, und die bauliche Vorsorge bleibt im Land eine unerledigte Aufgabe.

Quellen (1)

Aktualisiert: 27.06.2026, 16:00