Zum Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Drogenhandel legte Jalil Rachid, Minister der Nationalen Antidrogenbehörde SENAD, die statistische Bilanz der aktuellen Regierung vor. Die paraguayische Regierung bezeichnete die Ergebnisse im Kampf gegen den Drogenhandel als historisch.
Rachid sagte, die seit August 2023 verfolgte Strategie verbinde Prävention, Behandlung, Aufklärung, internationale Zusammenarbeit und operative Einsätze gegen kriminelle Strukturen. Zu den wichtigsten Ergebnissen zählte er, dass Paraguay nicht mehr als kritische Route für den internationalen Kokainhandel gelte. Seit Beginn der aktuellen Regierung gebe es zudem keine registrierten Kokainbeschlagnahmungen in Europa, die mit Ladungen aus paraguayischen Häfen verbunden seien.
Nach den vorgelegten Zahlen wurden mehr als 6.500 Kilogramm Kokain beschlagnahmt und mehr als 22 Millionen Kilogramm Marihuana in illegalen Produktionszentren vernichtet. Einsätze gegen den Kleinhandel mit Drogen nahmen 1,8 Millionen Dosen Betäubungsmittel aus dem Verkehr. Der finanzielle Schaden für kriminelle Organisationen wird auf mehr als 700 Millionen US-Dollar geschätzt.
Die Regierung verwies außerdem auf stärkere Kontrollen in Häfen, an Grenzen und an Flughafenterminals durch neue Technologien, spezialisiertes Personal und eine bessere Koordination zwischen Behörden. Genannt wurden auch Fortschritte beim SUMAR-Plan und bei der ersten nationalen Erhebung zum Drogenkonsum in der Allgemeinbevölkerung, die inzwischen alle 17 Departamentos des Landes erfasst.
Ein am selben Tag veröffentlichter UN-Bericht, über den Ultima Hora berichtete, zeichnet jedoch ein anderes Bild des Drogenhandels im Land. Dem Bericht zufolge stieg der Kokainhandel über Paraguay von 126 Kilogramm im Jahr 2019 auf 5.900 Kilogramm im Jahr 2024. Das Dokument nennt außerdem einen Anstieg der gehandelten Marihuanamenge von 1.020.122,53 Kilogramm im Jahr 2018 auf 1.045.865,72 Kilogramm im Jahr 2024 und warnt, dass Drogenhändler Technologie und weltweite Instabilitaet nutzen, um Routen und Märkte auszuweiten.
Die Exekutivdirektorin des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), Monica Juma, sagte, die Welt erlebe einen beispiellosen Anstieg neuer Drogentypen auf dem Markt. Einige seien stärker und gefährlicher und hätten schwere Folgen in Form vorzeitiger Todesfälle und wirtschaftlicher Schäden.
In einem weiteren Bericht von Ultima Hora sagte Borja Diaz Rivillas, Direktor von Copolad III, bei einem Besuch in Paraguay, Drogenpolitik müße vor allem wissenschaftlich und gesundheitspolitisch angegangen werden, nicht nur repressiv. Das Kooperationsprogramm zwischen der Europäischen Union, Lateinamerika und der Karibik arbeitet mit 32 Ländern und unterstützt institutionelle Reformen, Erfahrungsaustausch und Informationssysteme.
Diaz Rivillas sagte, das Programm stütze sich auf vier Säulen: wissenschaftliche Evidenz, Verringerung der Nachfrage mit Fokus auf problematischen Konsum, Verringerung des Angebots im Kampf gegen den Drogenhandel und Stärkung von Informationssystemen. In Paraguay gehören dazu die Unterstützung des Nationalen Drogenobservatoriums bei der SENAD und des Frühwarnsystems, das Daten von Staatsanwaltschaft, Polizei, Zoll, Bildungseinrichtungen und Gemeinden buendelt, um neue Risiken zu erkennen.
Der Direktor sagte, Marihuana sei das führende Problem unter den illegalen Drogen im Land, gefolgt von Kokain und wachsender Sorge ueber Crack. Paraguay führe zudem die Marihuanaproduktion in Südamerika an, mit erheblichen Umweltfolgen, und diene als Transitland für Kokain, das vor allem aus Bolivien komme.
Bei der justiziellen Zusammenarbeit arbeitet Copolad mit der Iberoamerikanischen Vereinigung der Staatsanwaltschaften an einem Pilotplan in Ciudad del Este im Departament Alto Parana. Die Initiative betrifft die Schnittstelle zwischen Drogenhandel und Menschenhandel, insbesondere Fälle von Frauen, die als Transporteurinnen eingesetzt werden. Geplant sind Protokolle, damit Staatsanwälte für Menschenhandel und Drogenkriminalitaet gemeinsam handeln können, ohne von kriminellen Netzwerken gezwungene Frauen erneut zu Opfern zu machen.
