Tajy, der heilige Baum der Guaraní, blüht und prägt Traditionen in Paraguay

Der Tajy, ein heiliger Baum der Guaraní, bekannt als Lapacho, blüht in Paraguay und bestimmt mit seiner Blüte kulturelle Traditionen, landwirtschaftliche Kalender sowie medizinische und materielle Nutzungen.

Tajy, der heilige Baum der Guaraní, blüht und prägt Traditionen in Paraguay

Der Tajy, im Volksmund als Lapacho bekannt, verwandelt erneut die Landschaft Paraguays mit seinen Blüten in Rosa-, Gelb-, Weiß-, Violett- und sogar Grüntönen. Doch diese Baumart ist mehr als ein visuelles Spektakel: Sie birgt eine jahrtausendealte Geschichte als heiliges Element für das Volk der Guaraní, steht für das Leben selbst und verkörpert eine tiefe spirituelle Verbindung zur Natur.

Für die Guaraní galt der Tajy als „Baum des Lebens“ und Quelle göttlicher Kraft. Clemente Cáceres Rodríguez, Forscher der Guaraní-Kultur, erklärt, dass die Vorfahren durch das Berühren des Baumes die spirituelle Energie des Schöpfers in sich aufnehmen wollten. Neben seiner religiösen Bedeutung diente der Tajy auch als territoriales Zeichen, das Grenzen zwischen Stämmen markierte, um Konflikte zu vermeiden, und als Orientierungspunkt für Migrationsrouten.

Die Blütezeit bestimmte zudem den landwirtschaftlichen Kalender. Cáceres betont, dass das Aufblühen verschiedener Lapacho-Arten den idealen Zeitpunkt für den Anbau unterschiedlicher Feldfrüchte anzeigte. Dieser natürliche Zyklus ist eng mit kulturellen Traditionen verknüpft, die bis heute fortbestehen. Die Blüte im Sommer, die mit dem Vollmond zusammenfällt, führte zum „Karu Guasu“, einem großen Festmahl, das sich unter kolonialem religiösem Einfluss zur Feier des Karaí Octubre am 1. Oktober entwickelte – ein Brauch, der Wohlstand bringen soll.

Der Baum war für das materielle Überleben der Guaraní unverzichtbar. Sein edles, widerstandsfähiges Holz wurde für den Bau von Häusern, Kanus, Waffen wie Bögen und Haushaltsgegenständen genutzt. Die medizinischen Eigenschaften seiner inneren Rinde halfen bei der Behandlung von Fieber, Infektionen, Entzündungen sowie Magen- und Gelenkschmerzen. Die moderne Wissenschaft hat inzwischen Wirkstoffe wie Lapachol nachgewiesen, die entzündungshemmende, antimikrobielle und antivirale Eigenschaften besitzen.

Laut Carlos Monges, Generaldirektor für Schutz und Erhaltung der Biodiversität im Ministerium für Umwelt und nachhaltige Entwicklung (Mades), gibt es in Paraguay etwa sieben Tajy-Arten, wobei die mit rosa, schwarzer und weißer Blüte am häufigsten vorkommen. Die Blütezeit variiert je nach Art und klimatischen Bedingungen und sorgt für ein aufeinanderfolgendes Farbspektakel, das Straßen, Parks und Landstraßen des Landes schmückt.

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Quellen (1)

Aktualisiert: 06.08.2026, 01:00