Das Abgeordnetenhaus verschob am Dienstag die Beratung über den Gesetzentwurf, der die Zahlung von Verzugszinsen an Bauunternehmen für stillgelegte öffentliche Bauvorhaben genehmigen soll, um 15 Tage, nachdem Abgeordnete den Vorstoß als „Justizskandal" bezeichnet und juristische Bedenken geäußert hatten.
Die Initiative, die bereits die halbe Zustimmung des Senats erhalten hatte, sieht Auszahlungen in Höhe von rund 100 Millionen Dollar an Zinsen vor, während die Gesamtschuld des Staates bei den Auftragnehmern die 300 Millionen Dollar übersteigt. Der Text legt eine Obergrenze von bis zu 9,9 Prozent pro Jahr für Verzugszinsen fest und sieht vor, dass sich die Beteiligten auf zusätzliche Ansprüche verzichten.
Der Abgeordnete Roberto González von der ANR-Añetete forderte zunächst einen Aufschub ohne festes Datum und argumentierte, dass der Entwurf juristische Mängel aufweise und die in den öffentlichen Bauverträgen vereinbarten Bedingungen ohne Zustimmung der Vertragsparteien abändern wolle. „Mit diesem Gesetzentwurf sollen die in den Bauverträgen getroffenen Vereinbarungen ohne die Zustimmung der Vertragsparteien außer Kraft gesetzt werden", erklärte er.
Die Abgeordnete Rocío Vallejo von der PPQ kritisierte ebenfalls den vom Senat übermittelten Text und verwies auf fehlende klare Grenzen für die Ausgabe von Schuldverschreibungen sowie auf das Fehlen eines konkreten Zeitraums für die Zinszahlungen. „Ich bin dafür, dass Schulden beglichen werden, aber wir dürfen keine leeren Schecks ausstellen wie diesen Gesetzentwurf in seiner ursprünglichen Fassung", erklärte sie.
Der Abgeordnete Miguel del Puerto von der ANR-cartista schlug als Alternative die Frist von 15 Tagen vor und plädierte für Transparenz über die aufgelaufenen Staatsschulden. Die Annahme dieses Vorschlags ermöglichte die Verschiebung, doch der Entwurf sorgt weiterhin für Kontroversen, auch innerhalb der Regierungsparteien, da seine Verabschiedung mit erheblichen fiskalischen Kosten verbunden wäre.
Neben dem Bericht der Contraloría General de la República über die Haushaltsausführung des Jahres 2024, der von dem Kontrolleur Camilo Benítez vorgestellt wurde, sollten die Abgeordneten in derselben Sitzung auch einen Gesetzentwurf über Vorschriften für den Aufbau und Betrieb von Vergnügungsparken im Land beraten.
Paraguay steht vor einer wachsenden Verbindlichkeit gegenüber Bauunternehmen für stillgelegte öffentliche Bauvorhaben. Die Debatte über die Autorisierung von mehr als 100 Millionen Dollar an Verzugszinsen wird von Beobachtern der öffentlichen Finanz und der Bauwirtschaft aufmerksam verfolgt, da sie Auswirkungen auf die Fortsetzung von Infrastrukturprojekte und die finanzielle Gesundheit des Landes hat.
