Die Unterzeichnung des Abkommens zwischen Paraguay und Taiwan zur Schaffung eines regionalen Zentrums für technologische Entwicklung mit Schwerpunkt auf künstlicher Intelligenz und digitaler Infrastruktur wird von Vertretern des Industrie- und Elektrizitätssektors als Chance gesehen, Investitionen in neue Energieerzeugungsquellen zu beschleunigen.
Der Präsident des Produktions-, Industrie- und Handelsverbands (Feprinco), Enrique Duarte, erklärte, das Projekt sehe die Gründung einer gemischtstaatlichen Organisation nach dem Vorbild von Itaipú oder Yacyretá vor, um die Datenverarbeitung und künstliche Intelligenz zu verwalten. „Das ist eine erfreuliche Nachricht, wirklich ein sehr wichtiges Projekt“, sagte Duarte in der Sendung Fuego Cruzado des Senders GEN/Nación Media. Er fügte hinzu, dass bereits private Investitionen im Gange seien, um die notwendige Infrastruktur vorzubereiten, und dass das Land der Erzeugung, Übertragung und Verteilung von Energie Priorität einräumen sowie die staatliche Elektrizitätsverwaltung ANDE wirtschaftlich lebensfähig machen müsse.
Das Abkommen wurde während des offiziellen Besuchs von Präsident Santiago Peña in Taiwan unterzeichnet, wo auch weitere Kooperationsabkommen geschlossen wurden, etwa zur Ausfuhr von paraguayischem Hühnerfleisch auf die Insel. Das zu gleichen Teilen finanzierte Megaprojekt soll Tausende von Arbeitsplätzen schaffen und wird weltweit das einzige sein, an dem ein Wasserkraftwerk beteiligt ist.
Der Ingenieur und ehemalige technische Leiter der ANDE, Fabián Cáceres Cadogan, betonte, dass das Abkommen zwar interessant sei, jedoch Vorsicht hinsichtlich der tatsächlichen Energieverfügbarkeit geboten sei. „Zu sagen, wir hätten Energie im Überfluss, ist bereits überholt; die Realität zeigt ein anderes Bild“, erklärte er. Er erinnerte daran, dass die Höchstnachfrage in diesem Jahr 5.760 Megawatt erreicht habe, während die Reserven bei etwa 7.660 MW lägen, was eine Marge von weniger als 2.000 MW lasse. „Unser Verbrauch wächst rasant. Die letzte Erweiterung der Erzeugung erfolgte 2007 mit zwei Turbinen in Itaipú, vor fast 20 Jahren“, ergänzte er.
Cáceres stimmte Duarte auch hinsichtlich der Notwendigkeit zu, die ANDE zu stärken, die er als auf der „Intensivstation“ befindlich bezeichnete. Ihm zufolge führt der Mangel an Investitionen bereits zu Problemen bei Übertragung und Verteilung und bald auch bei der Erzeugung. „Die ANDE hat keine Mittel, um all diesen großen Herausforderungen zu begegnen“, warnte er.
An der Debatte nahmen außerdem der Energieexperte Victorio Enrique Oxilia Dávalos und der Vizepräsident des Paraguayischen Instituts für Fachkräfte des Elektrizitätssektors (IPPSE), Guillermo Krauch, teil.