Eine groß angelegte Polizeiaktion gegen Drogenkriminalität im Osten Paraguays, an der Hunderte Beamte und neun Staatsanwälte beteiligt waren, endete mit nur einer formellen Anklage und löste erhebliche Zweifel am Tod zweier Männer in einer indigenen Gemeinde aus. Die Ereignisse spielten sich zwischen Donnerstag und Freitag in den Regionen Canindeyú, Alto Paraná und Caaguazú ab.
Die sogenannte Operation Renacer, die in den frühen Morgenstunden des Donnerstags durchgeführt wurde, setzte etwa 400 Polizisten für 14 Hausdurchsuchungen ein. Trotz des großen Aufgebots, das auch Werbevideos und Fotos von Beamten inmitten von Plantagen umfasste, fiel das operative Ergebnis bescheiden aus. Einziger Beschuldigter ist der 42-jährige Brasilianer Jimmy Dickson Rizo, dem Verbindungen zur kriminellen Organisation Primeiro Comando da Capital (PCC) vorgeworfen werden. Zwei weitere festgenommene Personen wurden wieder freigelassen. Im Zuge der Maßnahmen wurden Anbauflächen von Marihuana entdeckt und zerstört sowie Drogensamen beschlagnahmt.
Parallel dazu endete am Freitag ein Einsatz der Nationalen Antidrogenbehörde (Senad) in der indigenen Gemeinde Ava Guaraní Tekoha Yapo in Canindeyú mit dem Tod zweier Männer: Antonio Carrillo, einem Gemeindeführer, und Catalino Correa, einem örtlichen Lehrer. Die Senad erklärte, die Männer seien Teil der kriminellen Struktur unter der Führung von Felipe Santiago Acosta, bekannt als „Macho“, und es habe ein bewaffnetes Gefecht gegeben.
Diese Darstellung wurde von der indigenen Gemeinschaft und den Angehörigen der Opfer vehement zurückgewiesen. In einer Erklärung und gegenüber Medien betonten sie, Carrillo und Correa hätten keinerlei Verbindungen zum organisierten Verbrechen gehabt und seien unbewaffnet gewesen. Sie seien zu einem Treffen über einen Landkonflikt mit der Estância América eingeladen worden und anschließend in einen Hinterhalt geraten und hingerichtet worden. Die Gemeinschaft behauptet zudem, der Einsatz habe während der Feierlichkeiten zum Kindertag und ohne richterliche Anordnung stattgefunden. Angehörige berichteten von Folterszenen und behaupteten, Waffen seien nachträglich am Tatort platziert worden.
Ein nicht bestätigtes Audio, das einem Gemeindemitglied zugeschrieben wird, bezichtigte zudem einen Anwalt aus Salto del Guairá, den angeblichen Hinterhalt organisiert zu haben. Die Gemeinschaft fordert eine unabhängige Untersuchung, um die Umstände der Todesfälle aufzuklären.
In einer separaten Aktion zerstörte die Senad am Samstag fast 14 Tonnen Marihuana und drei Hektar Anbaufläche in der Kolonie Capitán Raúl Ocampo Rojas im Bezirk Cerro Corá, Departamento Amambay. Der Marktwert der Droge wurde auf etwa zwei Millionen US-Dollar geschätzt, bevor sie vor Ort unter Aufsicht der Staatsanwaltschaft verbrannt wurde.
