Das Nahverkehrsbahnprojekt für den Großraum Asunción, das als historische ausländische Investition in die Modernisierung des öffentlichen Nahverkehrs angekündigt wurde, steht vor technischen und finanziellen Bedenken, die seine Tragfähigkeit und die fiskalischen Auswirkungen für den paraguayischen Staat in Frage stellen.
Der beratende Ingenieur Guillermo López Flores erklärt, dass es sich bei dem Vorhaben faktisch um eine verdeckte Staatsschuld mit einer Laufzeit von 30 Jahren handelt, die durch jährliche staatliche Subventionen finanziert wird. Seiner Auffassung nach ist das wahre „Trojanische Pferd" des Projekts der Mechanismus des garantierten Mindesteinkommens (Ingreso Mínimo Garantizado), der in der Regierungsvereinbarung (G2) vorgesehen ist und der der Gesellschaft mit bestimmtem Zweck (SPE), die für Bau und Betrieb des Systems verantwortlich ist, Mindestumsätze sichert.
López Flores vertritt die Auffassung, dass das Hauptrisiko nicht nur in einem möglichen technischen Versagen der Infrastruktur liegt, sondern in einem Szenario, das er für verheerender hält. Er erläutert, dass die Vertragsbedingungen durch ein im Kongress verabschiedetes Sondergesetz abgesichert wurden, das das Prinzip einer gerechten Risikoverteilung zwischen öffentlichem und privatem Sektor außer Kraft setzt. „Indem man der SPE das Instrument des garantierten Mindesteinkommens einräumt, schließt der paraguayische Staat eine unbedingte kommerzielle Lebensversicherung ab", so López Flores.
Der Berater warnt, dass die Regierung die Differenz aus Steuermitteln ausgleichen muss, wenn die Fahrgeldeinnahmen die vereinbarte finanzielle Untergrenze nicht erreichen. Er fügt hinzu, dass dieselbe Firma sowohl die Nachfrage schätzt als auch das System plant, was Anreize schafft, den Passagierverkehr zu hoch einzuschätzen. „Es ist ein rundes Geschäft, bei dem der Privatsektor die Gewinne privatisiert und der Staat 100 Prozent der Verluste sozialisiert", analysiert er.
Was den künftigen Betrifft, warnt der Ingenieur, dass „die Bevölkerung die Bahn schlicht nicht nutzen wird", sofern die Stationen in Asunción und Luque nicht perfekt in ein einheitliches Ticketing-System und ein Netz von Busverbindungen integriert werden. López Flores plädiert dafür, die Debatte von der politischen Ebene „Bahn ja oder Bahn nein" in die Sphäre der Haushaltsdisziplin zu verlagern.