Die brasilianische Bundespolizei hat am Montag zehn paraguayische Frauen bei Einsätzen in Santa Helena im Westen des Bundesstaates Paraná gerettet. Die Maßnahme ist Teil einer Untersuchung zur Zerschlagung eines Netzwerks, das des internationalen Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung, der Versetzung in sklavenähnliche Zustände sowie des Betriebs von Bordellen beschuldigt wird.
Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch eine am 6. Mai vom Tripartiten Kommando – einer Einrichtung zur polizeilichen Zusammenarbeit zwischen Paraguay, Brasilien und Argentinien – herausgegebene Warnung, die über die Anwesenheit ausländischer Frauen berichtete, denen in der Ortschaft die Freiheit entzogen worden war. Santa Helena liegt etwa 100 Kilometer von der Grenze zu Ciudad del Este entfernt.
Während der Durchsuchungen stellten die Beamten fest, dass die Opfer in Paraguay durch falsche Arbeitsversprechen oder durch Ausnutzung ihrer wirtschaftlichen Notlage rekrutiert worden waren. Den Ermittlungen zufolge wurde den Frauen nach ihrer Überführung auf brasilianisches Staatsgebiet die Bewegungsfreiheit eingeschränkt, und sie wurden einem System der Schuldknechtschaft unterworfen.
Zwei der zehn Paraguayerinnen zeigten Misshandlungen an und ersuchten die Behörden um eine sofortige Rettung. Laut Polizeiangaben übte die Organisation psychische Kontrolle über die Gruppe aus, indem sie diese ständig einschüchterte, die Kommunikation mit ihren Familien unterband und sämtliche Einnahmen aus den erbrachten Dienstleistungen einbehielt.
In Vollstreckung von Durchsuchungsbeschlüssen der brasilianischen Bundesjustiz sicherten die Ermittler Mobiltelefone, elektronische Geräte und Notizbücher, um die finanzielle Abwicklung der illegalen Aktivitäten nachzuweisen. Ziel ist es nun, alle Mitglieder des transnationalen Netzwerks zu identifizieren und den weiteren Frauen, die am Tatort unter Zwang festgehalten wurden, Unterstützung zukommen zu lassen.
Falls sich die Vorwürfe bestätigen, drohen den Beteiligten Freiheitsstrafen zwischen zehn und 28 Jahren.