Ein von dem Abgeordneten Saúl González (ANR-Central) in der Abgeordnetenkammer von Paraguay eingebrachtes Gesetzesvorhaben sieht eine dauerhafte Politik zur Erforschung, Bewahrung, Vermittlung und Bekanntmachung von Acosta Ñu und der Cordillera-Kampagne vor. Der Entwurf wurde zur Beratung an die Ausschüsse der Kammer weitergeleitet und ist noch nicht in Kraft getreten.
Der Text befasst sich mit den Ereignissen vom 16. August 1869 während der Schlussphase des Krieges der Tripelallianz und erkennt das Recht der Gesellschaft auf Kenntnis der historischen Wahrheit sowie auf die Bewahrung der kollektiven Erinnerung an das Geschehen an. Zugleich sollen heute auf verschiedene Gesetze und Institutionen verteilte Instrumente gebündelt und gestärkt werden. Vorgesehen sind abgestimmte Mechanismen, ohne die Zuständigkeiten staatlicher Stellen zu ersetzen.
Das Schlachtfeld von Acosta Ñu in Eusebio Ayala im Departamento Cordillera ist bereits durch die Resolution Nr. 157/2017 des Nationalen Kultursekretariats als Natur-, Kultur- und Archäologisches Erbe anerkannt. Grundlage ist das Gesetz Nr. 5.621/2016 zum Schutz des Kulturerbes. Das Vorhaben soll diesen Rahmen durch eine koordinierte Politik für Forschung, die Bewahrung von Dokumenten und die Bekanntmachung ergänzen.
Zu den geplanten Maßnahmen gehören die Digitalisierung von Archiven und anderen Quellen, die Erstellung historischer Karten, die Aufstellung erläuternder Beschilderung sowie die Produktion von Bildungs- und audiovisuellen Materialien auf der Grundlage überprüfbarer Dokumente und wissenschaftlicher Forschung. Die Untersuchung der Cordillera-Kampagne soll neben den militärischen Operationen auch ihre sozialen, territorialen und demografischen Folgen umfassen, darunter Bevölkerungsbewegungen und die Zerstörung von Gemeinschaften.
Acosta Ñu und die Cordillera-Kampagne sollen zudem zu den vorrangigen Gebieten der im Gesetz Nr. 6.755/2021 vorgesehenen Instrumente für Bildungstourismus gehören. Der Plan sieht Führungen, Feldforschung und schulische Projekte im Zusammenhang mit der historischen Stätte vor. Dadurch sollen ihre pädagogische Nutzung und der Zugang zu Quellen über den Konflikt ausgeweitet werden.
Das Vorhaben sieht außerdem die Einrichtung des Historischen Komitees von Acosta Ñu und der Cordillera-Kampagne vor, eines beratenden, technischen und wissenschaftlichen Gremiums, dem paraguayische und bei Bedarf ausländische Fachleute ehrenamtlich angehören sollen. Die Mitglieder würden keine Vergütung erhalten; das Komitee würde keine Zuständigkeiten übernehmen, die derzeit staatlichen Institutionen obliegen.
Die Koordinierung soll das Ministerium für Bildung und Wissenschaften, das Nationale Kultursekretariat und das Nationale Paraguayische Audiovisuelle Institut einbeziehen. Außerdem sollen Vereinbarungen mit Universitäten, Archiven und Museen möglich sein. Bei einer Verabschiedung könnten die Maßnahmen künftige Entscheidungen zur Denkmalpflege, zur Geschichtsvermittlung und zum Kulturtourismus in Paraguay unterstützen. Der Entwurf erklärt den 16. August und die historische Stätte zu Schwerpunkten der Erinnerung und kulturellen Würdigung, lässt jedoch die Feier des Kindertags in Paraguay bestehen, die durch das Dekret Nr. 27.484 von 1948 festgelegt wurde.
