Paraguay weist das drittniedrigste Länderrisiko in Lateinamerika auf – nur Uruguay und Chile schneiden besser ab. Dies geht aus dem Emerging Markets Bond Index (EMBI) von JP Morgan hervor, der die Risikoprämie misst, die Länder im Vergleich zu US-Staatsanleihen zahlen müssen. Paraguay liegt mit 106 Basispunkten deutlich vor anderen Staaten der Region. Zum Vergleich: 100 Basispunkte entsprechen einem Zinsaufschlag von einem Prozent. Uruguay führt mit 68 Punkten, während Brasilien 177 Punkte und Argentinien mit 434 Punkten das Schlusslicht bildet.
Diese makroökonomische Stabilität zählt zu den wichtigsten Standortvorteilen des Landes, wie Experten betonen. Philippe Moura, Direktor für Strategie und Vertrieb beim Eurasia Group für Brasilien und Lateinamerika, verweist auf vier zentrale Faktoren, die Paraguay in einem fragmentierten globalen Umfeld attraktiv machen: "Paraguay verfügt über vier wertvolle Assets: Energie steht an erster Stelle. Dann die steuerlichen Rahmenbedingungen, die deutlich günstiger sind als in Brasilien oder Argentinien. Drittens die reichlich vorhandenen Wasserressourcen. Und viertens die politische und regulatorische Stabilität." Dies sagte er in einem Gespräch.
Moura sieht darin die Chance, Investitionen in Hochtechnologiebereiche wie Rechenzentren und künstliche Intelligenz anzuziehen – trotz der Konkurrenz größerer Nachbarländer. Für ein kleines Land wie Paraguay liege der Schlüssel in der Diversifizierung von Partnerschaften und der Nutzung seiner "harten Assets" wie Energie, Wasser und landwirtschaftliche Flächen, die in einer Welt mit resilienteren Lieferketten an Bedeutung gewinnen.
Neben dem geringen Länderrisiko wurde Paraguay kürzlich als zweitbester Staat Südamerikas für einen Wohnsitzwechsel ausgezeichnet. Im Global Relocation Index der Beratungsfirma Rumavi belegt das Land Platz 44 von 192 bewerteten Territorien – hinter Uruguay (Platz 35) und vor Chile (Platz 51). Mit 66,5 Gesamtpunkten überzeugte Paraguay besonders durch seine finanzielle Stabilität, für die es 80 Punkte erhielt. Bewertet wurden dabei Kriterien wie Bankeninfrastruktur und ein investorenfreundliches Steuersystem.
Der Bericht vergab zudem 69 Punkte für die allgemeine Stabilität des Landes und 54 Punkte in der Kategorie Ansiedlung und Chancen für Ausländer, die digitale Infrastruktur und Geschäftsmöglichkeiten berücksichtigt. Sicherheit und Stabilität wurden mit 57 Punkten bewertet. Die globale Rangliste führen Estland, Portugal, Litauen, Tschechien und Malta an – mit einem klaren Fokus auf europäische Ziele.
