Paraguayische Banken warnen: Investmentgrade erfordert Steuer- und Rentenreformen

Paraguayische Banken betonen, dass der kürzlich erzielte Investmentgrade-Status Steuer- und Rentenreformen, starke Institutionen und eine internationale Standards entsprechende Regulierung erfordert, um makroökonomische Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit im Finanzsektor zu sichern.

Paraguayische Banken warnen: Investmentgrade erfordert Steuer- und Rentenreformen

Der zweite Investmentgrade-Status, den Paraguay erhalten hat, sei „kein automatischer Pass zur Prosperität“, warnte der Bankensektor bei der Eröffnung der 2. Bankenkonvention am Donnerstag, dem 6. im Sheraton Asunción Hotel. Osvaldo Serafini, Präsident der Bankenvereinigung Paraguays (Asoban), betonte, die Einstufung spiegle die über Jahrzehnte aufgebaute makroökonomische Stabilität wider, doch der internationale Markt belohne keine Versprechungen, sondern eine nachhaltige Verlässlichkeit.

„Dieser Erfolg ist eine Tür zu Chancen, die sich je nach der Folgerichtigkeit unseres Handelns öffnet oder schließt“, erklärte Serafini vor über 400 Teilnehmern, darunter Wirtschaftsminister Óscar Lovera und Carlos Carvallo, Präsident der Zentralbank Paraguays (BCP). Er unterstrich, dass makroökonomische Stabilität nicht nur solide Kennzahlen, sondern auch starke Institutionen und klare Regeln erfordere, die politischen Druck und populistischen Lösungen standhielten.

Der paraguayische Bankensektor verfügt über Einlagen von über 190 Billionen Guaraníes (rund 31 Milliarden US-Dollar) und ein robustes Kreditportfolio, arbeitet mit einer Solvabilitätsquote von 12,5 % und ausreichender Liquidität, um externe Schocks abzufedern. Serafini warnte jedoch, dass die Feier von Vereinbarungen zur Begleichung kurzfristiger Staatsschulden bei Lieferanten keine strukturellen Probleme wie den Haushaltsüberschuss und die Nachhaltigkeit der Rentensysteme kaschieren dürfe. „Die Banken dürfen sich nicht auf Beifall für Palliativmaßnahmen beschränken. Es ist zwingend notwendig, diese Herausforderungen anzugehen, deren Wurzeln über die aktuelle Lage hinausreichen“, sagte er.

Während der Veranstaltung unterstrichen internationale Experten die kritischen Punkte des lokalen Finanzsystems. Henrique Sznirer, Associate Director bei S&P Global Ratings, wies darauf hin, dass die Bankenregulierung trotz historischer Rentabilität und Stabilität noch nicht internationalen Standards entspreche, auch wenn sie schrittweise Fortschritte mache. „Es gibt Bemühungen, die Aufsicht über Zahlungsdienstleister auszuweiten und die Standards zur Geldwäscheprävention zu verbessern, doch der Übergang zu Basel III ist noch im Gange“, erklärte er.

Sznirer hob zudem die Abhängigkeit des Systems von der Agrarwirtschaft und Rohstoffen hervor, auch wenn diese Tendenz rückläufig sei, sowie die Notwendigkeit, den Kapitalmarkt für lokale Privatemissionen zu vertiefen. Liz Cramer, Geschäftsführerin von Asoban, forderte, die Regulierung müsse sich im Einklang mit dem Markt entwickeln, basierend auf zwei Prinzipien: regulatorische Symmetrie und partizipative Normensetzung. „Das von den Banken verwaltete Geld gehört vor allem den Sparern, und dessen Schutz ist die Grundlage der wirtschaftlichen Stabilität“, betonte sie.

Federico Muxi, Senior Partner der Boston Consulting Group (BCG), warnte vor der beschleunigten Transformation des Finanzökosystems in den nächsten fünf Jahren, die die Kluft zwischen Vorreitern und Nachzüglern vergrößern werde. „Die Wettbewerbsfähigkeit muss neu gedacht werden: Kunden wechseln leichter zwischen den Anbietern, und digitale Zahlungen sind ein entscheidender Kampfplatz“, sagte er. Er wies auch darauf hin, dass Fintechs zwar nur 4 % des Finanzsystems ausmachten, aber viermal schneller wüchsen als traditionelle Banken und Potenzial hätten, Marktanteile zu gewinnen.

In den Diskussionen wurde auch die Notwendigkeit betont, die technische Unabhängigkeit der Zentralbank Paraguays zu wahren. Serafini unterstrich, die Glaubwürdigkeit der Institution sei ein schützenswertes Gut, sprach sich jedoch für einen verstärkten Dialog mit dem Sektor vor der Einführung regulatorischer Maßnahmen aus. „Eine im Dialog entwickelte Regulierung stärkt das System; eine ohne Konsultation auferlegte verringert seine Anpassungsfähigkeit“, schloss er.

Teilen WhatsApp Facebook LinkedIn

Quellen (3)

Aktualisiert: 08.08.2026, 10:00