Nach den ersten politischen Reaktionen auf Äußerungen des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva hat Paraguays Abgeordnetenkammer nun vorläufig eine gemeinsame Erklärung gebilligt. Sie weist Lulas Darstellung des Tripel-Allianz-Kriegs (1864–1870) zurück und fordert die paraguayische Regierung auf, Brasilien auf diplomatischem Weg um die Rückgabe von Kriegstrophäen zu ersuchen. Das Präsidium der Kammer muss den endgültigen Text noch aus drei Entwürfen zusammenführen und billigen.
Lula hatte bei der Begründung höherer brasilianischer Militärausgaben gesagt, Paraguay habe Brasilien angegriffen und sei zugleich in Uruguay und Argentinien eingefallen. Abgeordnete der Regierungsfraktion Honor Colorado, der liberalen PLRA und der Opposition widersprachen dieser Darstellung. Mehrere Parlamentarier bezeichneten den Krieg als Völkermord; dies ist ihre politische und historische Bewertung, nicht eine neue Feststellung der Kammer.
Der gemeinsame Kern der Entwürfe ist ein Auftrag an Paraguays Außenministerium, die Rückgabe der „Cristiano“-Kanone, von Militärarchiven und weiteren Relikten zu beantragen. Die „Cristiano“-Kanone ist ein historisches paraguayisches Artilleriegeschütz, das aus eingeschmolzenen Kirchenglocken gefertigt und im Krieg von brasilianischen Truppen als Beute mitgenommen wurde. Damit geht die neue Erklärung über die bereits berichteten Proteste einzelner Politiker hinaus und zielt auf einen formellen diplomatischen Schritt.
Der amtierende Präsident Pedro Alliana hatte die Rückgabe zuvor als mögliche „Geste der Brüderlichkeit“ bezeichnet. Der ehemalige Außenminister Federico González sprach von einer „Geste der Größe“. Ob Brasilien auf einen formellen Antrag eingehen würde, ist offen; die vorliegenden Berichte enthalten keine Stellungnahme der brasilianischen Regierung zu der neuen Initiative.
In der Sitzung kritisierten Abgeordnete außerdem, dass Präsident Santiago Peña und Außenminister Rubén Ramírez Lezcano zunächst nicht offiziell auf Lulas Äußerungen reagiert hatten. Diese Kritik ist Teil der innenpolitischen Debatte und von der noch ausstehenden diplomatischen Entscheidung der Regierung zu unterscheiden.
