Der paraguayische Kapitalmarkt befindet sich in einer Phase des Wandels mit bedeutenden Entwicklungen sowohl an der Börse von Asunción (BVA) als auch im Bankensystem. Während die Bankkredite wachsen, angetrieben vor allem durch Konsum, Dienstleistungen und Immobilienfinanzierung, zeigt die lokale Börse eine andere Dynamik, die von Schuldtiteln dominiert wird, während Aktien zurückstehen.
Daten der BVA zeigen, dass Anleihen, also festverzinsliche Wertpapiere, bis Juni 2026 96,1 Prozent des gehandelten Volumens ausmachten. Aktien hatten dagegen nur einen Anteil von 3,4 Prozent und Investmentfonds von 0,5 Prozent. Experten weisen darauf hin, dass diese Präferenz in kulturellen Faktoren und der Unternehmensstruktur des Landes verwurzelt ist.
Laut dem Ökonomen Arnold Benítez ist die Emission von Anleihen für Unternehmen attraktiver, weil sie Kapital beschaffen können, ohne die Aktienstruktur zu verändern. "Der paraguayische Emittent zieht es vor, die berühmte Anleihe zu emittieren, weil man dabei, auch wenn man seinen Finanzstatus öffentlich teilt, die Kontrolle über das Unternehmen zu 100 Prozent behält", sagte er. Auf der anderen Seite zeigen auch lokale Investoren eine Vorliebe für festverzinsliche Instrumente, die vorhersehbare Renditen und festgelegte Laufzeiten bieten.
Parallel dazu wird die Rückkehr der Bonos del Tesoro (Staatsanleihen) an die BVA nach mehr als zwei Jahren, in denen sie nur von der Zentralbank von Paraguay emittiert wurden, als wichtiger Schritt gesehen. Ökonomen wie Rodrigo Callizo von ASU Capital glauben, dass diese Maßnahme die Investorenbasis erweitert und mehr Transparenz bei der Preisbildung bringt. Arnold Benítez betont, dass die Staatsanleihen als entscheidende Referenz für den Aufbau einer Zinskurve dienen, die für die Bewertung des Risikos und der Kosten von Anleiheemissionen privater Unternehmen grundlegend ist.
Unterdessen nimmt das Bankensystem einen anderen Weg. Das Kreditvolumen erreichte im ersten Halbjahr 188 Billionen Guaraníes, mit einem jährlichen Wachstum von 3,6 Prozent. Die Konsumentenkredite stiegen um 22,9 Prozent, die für Dienstleistungen um 25,2 Prozent und die Immobilienkredite um 25,3 Prozent. Im Gegensatz dazu verzeichneten traditionelle Sektoren wie die Landwirtschaft und der Großhandel Rückgänge von 11,5 Prozent beziehungsweise 5,2 Prozent.
Diese Diskrepanz zeigt eine Wirtschaft, in der die Finanzierung stark auf die Binnennachfrage konzentriert ist, was Fragen zur Unterstützung langfristiger produktiver Investitionen aufwirft. Für Benítez und andere Analysten ist die Entwicklung eines robusteren Aktienmarktes wesentlich, um die Bankkredite zu ergänzen und eine Finanzierungsalternative zu bieten, die es Unternehmen ermöglicht, zu wachsen, ohne ihre Verschuldung zu erhöhen.
Die Herausforderung ist jedoch beträchtlich. Neben dem kulturellen Widerstand von Unternehmen, ihr Kapital zu öffnen, besteht die Notwendigkeit, eine Basis lokaler institutioneller Investoren wie Pensionsfonds zu entwickeln, die mit langfristigem Horizont investieren können. Auch die Finanzbildung wird als grundlegende Säule genannt, damit mehr Investoren die Vorteile und Risiken von Aktien verstehen. Das künftige Wachstum des paraguayischen Kapitalmarktes wird von der Fähigkeit abhängen, diese Barrieren zu überwinden und ein diversifizierteres und tieferes Ökosystem zu schaffen.
