Pablo Callizo, Stadtrat von Asunción, und Sebastián Garay, der für die Partei Patria Querida (PPQ) für den Stadtrat kandidiert, wurden von der Nationalpolizei zur 10. Metropolitanwache gebracht, nachdem sie an einer Protestaktion mit Stofftieren vor dem Wohnhaus des ehemaligen Präsidenten Horacio Cartes in der Avenida España in Asunción teilgenommen hatten. Die beiden wurden nach etwa zwei Stunden wieder freigelassen.
Die Teilnehmer präsentierten die Aktion als symbolische Geste zur Unterstützung der Forderungen des medizinischen Sektors und als Kritik an der Regierung von Santiago Peña. Laut Callizo und Garay bestand die Gruppe aus etwa 10 bis 15 Personen, die sich auf dem Bürgersteig – also im öffentlichen Raum – aufhielten, ohne Einfahrten oder den Verkehr zu blockieren. Die beiden erklärten, die Polizei habe nicht erläutert, welche Vorschrift verletzt worden sei.
Callizo berichtete, die Beamten hätten versucht, die Stofftiere zu entfernen, woraufhin die Demonstranten eine Menschenkette bildeten, um die Beschlagnahmung zu verhindern. Anschließend sei es laut seiner Darstellung zu Rangeleien gekommen; die beiden seien fixiert, gefesselt und zur Wache gebracht worden. In einem nach ihrer Freilassung veröffentlichten Bericht erklärte Garay, die Stofftiere seien ebenfalls in die Zelle gebracht worden und die Demonstranten hätten ihre persönlichen Gegenstände abgeben müssen.
Callizo bestritt den polizeilichen Vermerk, es habe eine „Störung des öffentlichen Friedens“ gegeben, und wies die Darstellung zurück, sie hätten sich geweigert, sich auszuweisen. Er kündigte rechtliche Schritte und die Möglichkeit an, internationale Instanzen einzuschalten. Garay erklärte zudem, die Polizei habe wiederholt den Satz „Damit ihr es lernt“ verwendet, was seiner Einschätzung nach an autoritäre Praktiken der Vergangenheit erinnere.
Der Vorfall löste eine politische Auseinandersetzung im Abgeordnetenhaus aus. Der regierungstreue Abgeordnete Yamil Esgaib, der dem Flügel Honor Colorado der Asociación Nacional Republicana (ANR, Colorado-Partei) angehört – der von Cartes geführt wird –, verteidigte das Recht auf Versammlungsfreiheit, betonte jedoch, dieses müsse die Rechte der Anwohner respektieren, und bezeichnete die Demonstranten als „pelotudos“ – auf Deutsch etwa „Idioten“, im spanischen Original.
Die Abgeordnete Johanna Ortega forderte vom Kommandanten der Nationalpolizei, César Silguero, und vom Innenminister Enrique Riera Aufklärung darüber, wer angeordnet habe, die Demonstranten zur Wache zu bringen. Rocío Vallejo verglich die Beschlagnahmung der Stofftiere mit der Einziehung von Büchern während der Diktatur Alfredo Stroessners. Raúl Benítez bezeichnete den Fall als demokratischen Rückschritt und stellte die politische Instrumentalisierung der Polizei infrage.
Auch der Jurist und ehemalige Senator Mario Paz Castaing kritisierte die staatliche Reaktion. Seiner Ansicht nach kann ein Anwohner zwar die Polizei um Hilfe bitten, wenn sich vor seinem Haus eine Menschenansammlung bildet, doch gehe ein Eingriff zu weit, wenn er zu Verfolgung, Fesselung und dem Einsperren von Demonstranten führe. „Jeder Akt, der eine Einschränkung der öffentlichen Freiheiten bedeutet, ist ein schlechter Präzedenzfall“, erklärte er.
Callizo und Garay behaupten, die polizeiliche Maßnahme sei politisch motiviert gewesen, da sie vor dem Haus von Cartes, dem Vorsitzenden der ANR, stattfand. Diese Anschuldigung konnte in den vorliegenden Informationen nicht unabhängig bestätigt werden, während die von den Demonstranten genannte formale Begründung die angebliche Störung des öffentlichen Friedens war. Der Fall steht nun im Mittelpunkt der Debatte über die Grenzen polizeilichen Handelns bei Protesten im öffentlichen Raum und fällt in den Wahlkampf für den Stadtrat von Asunción.
