Die Abgeordnetenkammer Paraguays hat das Gesetzesprojekt verabschiedet und an die Exekutive weitergeleitet, das die gerichtliche Hinterlegung von Schuldtiteln oder Originaldokumenten in Zivilverfahren vorsieht. Die Maßnahme ist eine gesetzgeberische Antwort auf das kriminelle System, das als 'Schuldschein-Mafia' bekannt ist und etwa 17.000 Opfer gefordert haben soll. Der verabschiedete Text bestimmt, dass Schuldscheine und andere originale Inkassodokumente während des Verfahrens unter der Aufsicht der Gerichte bleiben und dem Schuldner zurückgegeben werden, sobald die Schuld getilgt ist, um zu verhindern, dass derselbe Titel mehrfach vollstreckt wird.
Das Projekt wurde gemeinsam mit dem Obersten Gerichtshof erarbeitet, der die Einbeziehung elektronischer Schuldscheine empfahl, da diese Form im Zunehmen begriffen ist. Die kartistische Mehrheit im Unterhaus schloss sich jedoch der Version des Senats an, die keine digitalen Dokumente vorsieht. Der Abgeordnete Héctor 'Bocha' Figueredo (ANR) begründete den Ausschluss damit, dass elektronische Vollstreckungstitel noch keine klare Regulierung hätten und ihre Aufnahme zu Konflikten führen könnte. Die Entscheidung wurde von Kreisen kritisiert, die darauf hinweisen, dass die Lücke von dem kriminellen System ausgenutzt werden könnte.
Parallel dazu verabschiedeten die Abgeordneten in allgemeiner Form und verschoben die Artikel-für-Artikel-Prüfung um eine Woche ein zweites Gesetzesprojekt, das die Rückgabe der Schuldscheine mit Erlöschen der Verpflichtung vorsieht und ein Sanktionssystem festlegt. Der Vorschlag, der bereits die erste Zustimmung des Senats hat, verpflichtet die Gläubiger, die Dokumente innerhalb von fünf Werktagen nach Zahlung der Schuld zurückzugeben, bei Androhung einer Verwaltungsstrafe von 20 % des Gesamtwerts der Verpflichtung. Der Abgeordnete Néstor Castellano (ANR) betonte, dass die Maßnahme darauf abziele, die Praxis zu unterbinden, bereits getilgte Schuldscheine zurückzuhalten, um sie weiterzuverkaufen oder erneut gerichtlich vollstrecken zu lassen.
Der Fraktionsvorsitzende der Kartisten, Miguel Del Puerto, beantragte die Verschiebung der Einzelprüfung, um 'kleine Änderungen' einzuführen, die nicht näher spezifiziert wurden. Falls es zu Änderungen kommt, müsste das Projekt zur dritten Lesung an den Senat zurück. Das Präsidium der Kammer hat dem Thema Priorität eingeräumt; die automatische Verabschiedung ist für den 2. Juni vorgesehen.