Skandal um gefälschte Abschlüsse erschüttert Vertrauen in Paraguays Hochschulsystem

Die Absetzung von Zulma Díaz Penayo in der Hochschuldirektion des Bildungsministeriums hat eine breitere Debatte über Kontrolle, Akkreditierung und Transparenz im paraguayischen Hochschulsystem ausgelöst.

Skandal um gefälschte Abschlüsse erschüttert Vertrauen in Paraguays Hochschulsystem
KI-generierte Illustration.

Der Skandal um gefälschte Hochschulabschlüsse in Paraguay ist nicht mehr nur ein interner Verwaltungsfall im Bildungs- und Wissenschaftsministerium. Er macht eine breitere Vertrauenskrise im Hochschulsystem sichtbar. Das Ministerium enthob Zulma Alicia Díaz Penayo ihres Amtes in der Generaldirektion für Universitäten, höhere Institute und höhere technische Institute, nachdem eine interne Prüfung mehr als 500 unrechtmäßige Nutzer im Hochschulregister RUES festgestellt hatte, das zur Validierung von Abschlüssen dient.

Nach Angaben des Ministeriums wurden bereits 145 gefälschte Abschlüsse der Staatsanwaltschaft gemeldet. Vier Bereichsdirektoren und zwei ganze Dienststellen wurden ebenfalls abgesetzt oder der Personalabteilung zur Prüfung übergeben. Díaz Penayo hatte den Posten seit dem 30. Dezember 2025 inne und blieb rund sechs Monate im Amt.

Politisch brisant ist der Fall, weil Díaz Penayo mit dem früheren Abgeordneten der Colorado-Partei Orlando Arévalo in Verbindung gebracht wird. Lokale Berichte führen aus, dass sie schon zuvor Funktionen im Hochschulbereich innehatte und dass sowohl sie als auch Arévalo Abschlüsse der Universidad Leonardo Da Vinci besitzen. Gegen Arévalo wird im Fall #LaMafiaManda ermittelt; Anwälte hatten bereits Strafanzeige gegen ihn, Vertraute und Verantwortliche dieser Universität wegen eines mutmaßlichen Systems gefälschter Abschlüsse gestellt.

Der Fall hat auch Fragen zum Wachstum der Universitäten in Paraguay neu entfacht. Ein Beitrag in El Nacional fragte, ob die Expansion der vergangenen drei Jahrzehnte einer Bildungsplanung folgte oder vor allem einem Hochschulmarkt. Gefordert wurde Transparenz darüber, wie viele Einrichtungen zugelassen sind, wie viele tatsächlich arbeiten, welche den Eigentümer oder die Kontrolle gewechselt haben und wie Bildungsministerium, Cones und Aneaes Studiengänge und Universitäten überwachen.

Die Bildungsexpertin Sofía Scheid sagte El Nacional, der größte Schaden mutmaßlich irregulärer Abschlüsse sei der Vertrauensverlust in den Wert eines Diploms. Die Debatte dürfe sich nicht auf individuelle Verantwortung beschränken, sondern müsse zu nachvollziehbaren akademischen Prozessen, moderneren Kontrollen und mehr Transparenz über die Qualität der Ausbildung führen.

Ein weiterer Beitrag derselben Zeitung argumentierte, die Krise betreffe nicht nur Personen, die fragwürdige Dokumente erhalten oder ausgestellt hätten. Besonders in der Lehrerbildung könne ein schwacher oder irregulärer Abschluss Generationen von Schülern betreffen. Die gemeinsame Schlussfolgerung lautet, dass Paraguay den Skandal in eine Reform mit Prävention, Rückverfolgbarkeit und Rechenschaftspflicht verwandeln muss, damit jeder Abschluss wieder als öffentliche Garantie echter Ausbildung gelten kann.

Quellen (4)

Aktualisiert: 28.06.2026, 09:47