ANDE prüft neues Tarifsystem für Industrie und Haushalte in Paraguay

Der paraguayische staatliche Stromversorger ANDE erarbeitet ein neues, technisch fundiertes und transparentes Tarifsystem für Industriekunden – gestaffelt nach Spannungsebene – sowie für Privathaushalte, um die finanzielle Nachhaltigkeit des Unternehmens zu sichern.

ANDE prüft neues Tarifsystem für Industrie und Haushalte in Paraguay

Die staatliche Stromgesellschaft ANDE (Administración Nacional de Electricidad) führt derzeit eine Studie durch, um ein neues Tarifsystem für Privathaushalte sowie für Industrieunternehmen einzuführen, die sich in Paraguay ansiedeln möchten. ANDE-Präsident Miguel Báez erklärte, das Ziel sei ein einheitliches, transparentes und technisch begründetes Tarifsystem, das die finanzielle Stabilität des Unternehmens gewährleistet.

Laut Báez soll die Studie für die Industriestromtarife innerhalb von 15 bis 20 Tagen, also noch im August, abgeschlossen werden. Die neue Struktur orientiert sich nicht am Verbrauch, sondern an der Spannungsebene des Netzanschlusses. „Wenn ein Industrieunternehmen mit 500 kV angeschlossen wird, weiß es genau, was es zahlt. Bei 66 kV oder 220 kV gelten andere Sätze“, erläuterte er. Höhere Spannungsebenen wie 500 kV führen zu günstigeren Tarifen, da das Unternehmen direkt an das Übertragungsnetz angeschlossen wird und so Kosten für Transformatoren eingespart werden.

Báez wies Spekulationen über separate Verhandlungen mit dem Unternehmen Atome zurück, das in Villeta ein Projekt für grüne Düngemittel plante. Er betonte, dass eine klare Regelung für alle Unternehmen geschaffen werden solle, um individuelle Vereinbarungen zu vermeiden. „Wir wollen nicht für jedes Unternehmen einen eigenen Tarif aushandeln. Transparenz ist unser Ziel“, sagte Báez im Gespräch mit dem Radiosender Monumental.

Parallel dazu wird die ANDE eine Überprüfung der Haushaltstarife einleiten. Báez erklärte, dass eine „technisch fundierte Tarifgestaltung“ alle Kosten des Unternehmens decken und eine Rendite von 8 bis 10 Prozent ermöglichen müsse, wie es das Gesetz vorschreibt. Er räumte ein, dass die Studie zu einer Anpassung der Verbraucherpreise führen könnte. „Niemand freut sich über Tariferhöhungen, aber die ANDE muss finanziell tragfähig sein. Das bedeutet, dass wir die Tarife realistisch gestalten und die Nutzer den angemessenen Preis zahlen müssen“, erklärte er.

Auf die Frage nach langfristigen Festtarifen, wie sie etwa Atome mit einer Laufzeit von zehn Jahren anstrebte, reagierte Báez ablehnend: „Nein, langfristige Tarife müssen einen Anpassungsmechanismus enthalten, denn die Rahmenbedingungen ändern sich.“ Er schlug stattdessen Überprüfungen alle zwei bis drei Jahre vor. Báez wies zudem darauf hin, dass 90 Prozent des von der ANDE bezogenen Stroms aus dem Kraftwerk Itaipu stammen. Die aktuelle Studie basiere auf den bestehenden Tarifbedingungen mit dem binationalen Konsortium, könne aber bei Änderungen angepasst werden.

Eine im Juli von Ex-Präsident Félix Sosa vorgestellte Studie prognostizierte, dass der durchschnittliche Strompreis von derzeit 49,2 US-Dollar pro Megawattstunde (MWh) auf 68,6 US-Dollar im Zeitraum 2026–2030 steigen könnte, wobei die Sätze nach Spannungsebene differenziert würden. Die laufende Studie soll diese Prognosen aktualisieren und einen transparenten Rahmen für industrielle Investitionen schaffen.

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Quellen (2)

Aktualisiert: 05.08.2026, 01:08