Der Vorsitzende der Colorado-Partei und frühere Präsident Paraguays, Horacio Cartes, regte gegenüber dem Regierungskandidaten für das Bürgermeisteramt von Asunción, Camilo Pérez, eine Maut für Fahrzeuge an, die in die Hauptstadt einfahren. Bei einer Parteiveranstaltung fragte Cartes, ob Pérez die Stadt allein aus Lizenzgebühren und Bußgeldern finanzieren wolle. Er forderte neue Einnahmequellen, um Asunción umzugestalten, die Mobilität zu verbessern und Projekte wie Schnellstraßen zu finanzieren. Die Idee wurde als Anregung im Wahlkampf vorgestellt, nicht als beschlossene Politik.
Die Oppositionskandidatin Soledad Núñez vom Bündnis Juntos por Asunción lehnte den Vorschlag bei einem Treffen mit weiblichen Führungskräften der Authentischen Radikal-Liberalen Partei (PLRA) ab. Núñez erklärte, die Verkehrs-, Infrastruktur- und Finanzprobleme der Stadt müssten durch Transparenz und Korruptionsbekämpfung gelöst werden und nicht durch eine neue Abgabe für die Bürger.
Núñez führte die Finanzkrise der Stadtverwaltung auf die mutmaßliche Zweckentfremdung von Mitteln unter dem früheren Bürgermeister Óscar „Nenecho“ Rodríguez zurück. Nach ihren Angaben waren Gelder aus einem als G8 bezeichneten Kredit im Dezember 2022 verfügbar, im Januar 2023 jedoch nicht mehr als verfügbare Mittel der Stadt ausgewiesen. Núñez stellte einen Zusammenhang mit der Zeit vor der Parlamentswahl her, bei der Rodríguez’ Ehefrau Lizarella Valiente einen Sitz im Senat gewann. Die Vorwürfe zu Zweckentfremdung, parallelen Kassen und Korruption stammen von Núñez; die ausgewerteten Quellen stellen sie nicht als gerichtlich festgestellte Tatsachen dar.
Die Debatte findet im Wahlkampf für die Kommunalwahlen am 4. Oktober 2026 statt. Núñez argumentiert, der kommissarische Bürgermeister Luis Bello, Camilo Pérez und Lizarella Valiente stünden für die Fortsetzung derselben politischen Gruppe. Im Streit über die Maut trifft die Suche der Regierungspartei nach neuen Einnahmen auf die Forderung der Opposition nach Ausgabenkontrolle und Transparenz.
