Der Industrieverband Paraguays (UIP) hat Steuererhöhungen, wie sie von Teilen des Kongresses zur Finanzierung der Gehaltsforderungen von Ärzten vorgeschlagen werden, abgelehnt und stattdessen eine strukturelle Reform der öffentlichen Ausgaben gefordert. In einer am 30. August 2026 veröffentlichten Erklärung betonte der Verband, dass „das Problem in den Ausgaben, nicht in den Investitionen“ liege, und verwies darauf, dass es keine fiskalische Rechtfertigung gebe, vom Privatsektor weitere Opfer zu verlangen, ohne zuvor den Staatsapparat zu rationalisieren. Die Einschätzung zur staatlichen Ineffizienz und zur fehlenden Rationalisierung stammt von der UIP selbst.
Die Stellungnahme erfolgte vor dem Hintergrund eines Streiks und von Protesten von Angehörigen der Gesundheitsberufe, die höhere Löhne sowie die Behebung von Engpässen bei Medikamenten, Infrastruktur und Ausstattung in öffentlichen Krankenhäusern fordern. Der Senator der Colorado-Partei, Silvio „Beto“ Ovelar, hatte vorgeschlagen, den persönlichen Einkommensteuersatz (IRP) von 10 % auf 14 % anzuheben, während ein weiterer im politischen Diskurs genannter Vorschlag eine Erhöhung der Unternehmenssteuer (IRE) auf 15 % vorsah – mit der Erwartung, dadurch zwischen USD 600.000.000 und USD 700.000.000 einzunehmen. Die Quellen geben nicht an, dass diese Schätzung eine offizielle Projektion ist oder dass eine der Maßnahmen formell eingebracht oder beschlossen wurde.
Die UIP bezeichnete es als inakzeptabel, Arbeitnehmern und Unternehmen die Kosten für das zu übertragen, was sie als staatliche Ineffizienz bezeichnete. Der Verband verwies zudem darauf, dass seit der Reform von 2003 zugesagte Maßnahmen zur Effizienzsteigerung der öffentlichen Verwaltung nicht umgesetzt worden seien, und nannte den gescheiterten Versuch einer Reform der Caja Fiscal als Beispiel für aufgeschobene strukturelle Entscheidungen. Die Vorwürfe und Bewertungen zur öffentlichen Verwaltung stammen von der UIP; die vorliegenden Quellen enthalten keine Stellungnahme der Regierung, des Finanzministeriums, von Abgeordneten, Ärztegewerkschaften oder eines unabhängigen Finanzexperten.
Der Wirtschaftsexperte Stan Canova kritisierte insbesondere den Vorschlag zur Erhöhung des IRP. In einem Interview mit Radio 1000 AM erklärte er, die Änderung würde eine Anhebung des Satzes um 40 % bedeuten und sei nicht durch Studien zu Auswirkungen und Reichweite untermauert. Nach Canovas Einschätzung könnte eine Änderung der Steuerpolitik als Reaktion auf jede Gehaltsforderung einen Dominoeffekt auslösen, bei dem andere Berufsgruppen ähnliche Finanzierungen verlangen würden.
Nach Canovas Darstellung würde die Finanzierung von Gehaltsanhebungen über Steuern voraussetzen, zusätzliche Einnahmen in Mittel für die Gesundheitsausgaben und die Gehaltszahlungen umzuwandeln; ein detailliertes fiskalisches Modell oder eine offizielle Bestätigung der Schätzung von USD 600.000.000 bis USD 700.000.000 liegt in den Quellen nicht vor. Canova betonte zudem, dass die Diskussion über die Ärztegehälter die gesamte Vertragsstruktur berücksichtigen müsse. Auf Grundlage des Gesetzes Nr. 7.137/2023 und der Resolution Nr. 2.851/2025 des Gesundheitsministeriums erklärte Canova, ein „vínculo“ entspreche einem Vertrag oder einer wöchentlichen Arbeitszeit von 12 Stunden. Nach seiner Darstellung könne ein Arzt mit sechs bis zehn Berufsjahren pro vínculo etwa 5,9 Millionen Guaraní erhalten; vier vínculos entsprächen 48 Wochenstunden und einem monatlichen Einkommen von rund 24 Millionen Guaraní – ohne mögliche Zusatzeinnahmen im privaten Sektor. Dieser Betrag stellt daher nicht zwangsläufig ein allgemeines Ärztegehalt dar.
Canova bestritt nicht das Recht der Ärzte auf bessere Arbeitsbedingungen und Gehälter, forderte jedoch, dass die Regierung auch die Verwaltung der Gesundheitsressourcen überprüfen müsse. Die UIP forderte ihrerseits eine Debatte über die Reform der öffentlichen Ausgaben und bekräftigte, dass sie keine gesetzlichen Initiativen zur Steuererhöhung unterstützen werde, solange keine konkreten Maßnahmen zur Rationalisierung der Staatsausgaben vorhanden seien. Der Streit könnte die fiskalische Glaubwürdigkeit, die Arbeitskosten im öffentlichen Dienst und das Geschäftsumfeld in Paraguay beeinflussen; die vorliegenden Quellen messen diese Auswirkungen jedoch nicht und nennen keine offizielle Position der Regierung.
