Das paraguayische Institut für Sozialvorsorge (IPS) steckt in einer tiefen Krise: Zahlreiche Fachärzte verlassen die Einrichtung wegen niedriger Gehälter, und die Führungsebene wurde neu besetzt. Der Gesundheitsmanager des IPS, Dr. Derlis León, erklärte, dass die Institution besonders in Fachbereichen wie Endokrinologie, Neurochirurgie und Rheumatologie einen kritischen Personalmangel verzeichnet. Ein Facharzt verdiene im privaten Sektor innerhalb einer Woche so viel wie im IPS in einem Monat, wo ein Neurochirurg netto etwa 3,8 Millionen Guaraní erhalte.
Unterdessen ernannte Präsident Santiago Peña Ramón Zarza Pintos, ehemaliger Vizeminister der Finanzen, zum neuen ordentlichen Mitglied des Verwaltungsrats des IPS. Die Ernennung wurde durch das Dekret Nr. 6580 vom 17. August offiziell. Sie folgt auf den Rücktritt von Bettina Silvana Albertini Alonso, die nur sechs Monate im Amt war. Dies ist bereits der zweite Wechsel im Verwaltungsrat innerhalb von weniger als einem Jahr, nachdem zuvor Carlos Pereira ausgeschieden war.
Parallel dazu soll der Senat einen Gesetzentwurf beraten, der den Notstand im IPS erklärt, um den Mangel an Medikamenten, Infrastrukturprobleme und Personalengpässe zu bewältigen. Der Senator Colym Soroka äußerte jedoch Skepsis und argumentierte, dass die Maßnahme wirkungslos bleibe, wenn nicht gleichzeitig Korruption und Beitragsvermeidung bekämpft würden – die eigentlichen Ursachen der Probleme. Soroka lehnte zudem die Ausgabe von Schuldverschreibungen zur Begleichung ausstehender Schulden ab, da dies seiner Meinung nach nur Pharmakonzerne begünstigen würde.
Im Gegensatz zur Krise beim IPS betonte Gesundheitsministerin María Teresa Barán in einem Interview mit dem staatlichen Fernsehen die infrastrukturellen Erfolge der Regierung Peña. Sie verwies auf den Bau von sieben neuen Krankenhäusern, darunter Einrichtungen in Concepción, Curuguaty und im Chaco, deren Eröffnung zwischen August und Dezember 2027 geplant ist. Barán hob zudem die Dezentralisierung der Gesundheitsversorgung hervor: Allein in diesem Jahr seien in Concepción über 3.000 Krebspatienten behandelt worden, wodurch lange Anreisen nach Asunción vermieden worden seien.
Intern diskutierte der IPS-Verwaltungsrat zudem die kritische Lage des Immobilienvermögens der Institution. Ein technischer Bericht offenbarte Rechtsstreitigkeiten, ausstehende Mietzahlungen und administrative Probleme bei hochwertigen Liegenschaften wie der Wohnanlage „Isla de Francia“ in Asunción und dem Wohnkomplex „Cantegril“ in San Bernardino. IPS-Präsident Isaías Fretes kritisierte den Widerstand von Mietern, die gerichtlich gegen die Anpassung der Mietpreise vorgingen und damit die Finanzlage der Sozialversicherung belasteten.
