Die Nationale Polizei und die Staatsanwaltschaft Paraguays ermitteln wegen des Verdachts auf ein internationales Netzwerk für Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung. Auslöser war die Operation Würde im Gebäude AURA Paraguay in Asunción. Rund 200 Personen wurden in verschiedenen Stockwerken des Komplexes an der Kreuzung der Avenida Aviadores del Chaco und der Avenida Santa Teresa beim Arbeiten angetroffen.
Die Razzia wurde von der Spezialeinheit gegen Menschenhandel der Nationalen Polizei durchgeführt, unterstützt von der Nationalen Migrationsbehörde und dem Ministerium für Arbeit, Beschäftigung und soziale Sicherheit. Der Ermittlungsrichter Humberto Otazú hatte den richterlichen Beschluss erlassen. Die Ermittlungen leitet Staatsanwältin María Isabel Arnold.
Die meisten Beschäftigten sind brasilianische Staatsbürger, daneben wurden auch paraguayische Arbeiter angetroffen. Die Behörden überprüften die aufenthalts- und arbeitsrechtliche Situation der Beschäftigten. Nach Angaben von Kommissar Humberto Aquino, Leiter der Spezialeinheit, sollen über 40 Prozent der brasilianischen Arbeiter ohne gültige Papiere beschäftigt worden sein.
Die Durchsuchung fand in Räumlichkeiten statt, in denen Callcenter-Betriebe wie Energy Market und Marketing Sociedad Anónima tätig waren. Beschlagnahmt wurden Unterlagen, Notizbücher, USB-Sticks, Personalakten, ein digitaler Videorekorder und fünf Laptops. Diese sollen vom forensischen Labor der Staatsanwaltschaft ausgewertet werden.
Die Ermittlungen begannen nach einer Anzeige, die ein brasilianischer Staatsbürger über das brasilianische Außenministerium an die paraguayische Staatsanwaltschaft weiterleitete. Eine weitere Anzeige, so Kommissar Aquino, stammte von einer Frau, die über digitale Plattformen für eine angebliche Arbeitsstelle angeworben worden war.
Sie habe eine dreimonatige Probezeit absolvieren müssen und sei anschließend ohne Bezahlung entlassen worden. Die Behörden prüfen, ob diese Methode genutzt wurde, um Arbeiter aus Brasilien anzuwerben, sie in eine irreguläre aufenthaltsrechtliche Situation zu bringen und ihnen anschließend die Auszahlung des Lohns mit der Begründung verweigert wurde, es fehlten Papiere.
Ebenfalls untersucht werden Stellenanzeigen auf digitalen Plattformen, die sich an 20- bis 50-Jährige in Brasilien richteten. Die Angebote versprachen Arbeit im telefonischen Kundenservice oder bei der Akquise von Kunden für Investitionen. Die Ermittler prüfen, ob Betrug, Geldwäsche oder Menschenhandel vorlagen, doch eine gerichtliche Bestätigung dieser Vorwürfe steht noch aus.
Aquino erklärte, die Beschäftigten hätten keine Freiheitsberaubung oder körperliche Zwangsmaßnahmen geschildert. Die Ermittler gehen davon aus, dass einige von ihnen durch Täuschung angeworben und aufgrund ihrer fehlenden Papiere ausgebeutet worden sein könnten. Die Ermittlungen sollen die Anstellungsbedingungen, die Lohnzahlungen und eine mögliche Verantwortung der beteiligten Unternehmen klären.
