Paraguay wartet nach Festnahmen in Bolivien auf Informationen zu Marsets Verbindungen

Paraguays Antidrogenchef Jalil Rachid will nach Einsätzen in Bolivien mögliche Verbindungen im eigenen Land klären. Boliviens Regierung wirft dem Generalstaatsanwalt vor, eine Organisation zum Schutz des Drogenhandels geführt zu haben. Das ist ein Vorwurf, keine Verurteilung.

Paraguay wartet nach Festnahmen in Bolivien auf Informationen zu Marsets Verbindungen

Nach der Festnahme von Amtsträgern in Bolivien wartet Paraguay auf Informationen über mögliche Verbindungen zu Sebastián Marset im eigenen Land. Das sagte Jalil Rachid, Leiter des Nationalen Antidrogensekretariats (SENAD), in am 1. Oktober veröffentlichten Äußerungen. Er wolle mögliche beteiligte Staatsbedienstete identifizieren und Informationslecks bei der Operation A Ultranza PY aufklären.

Die bolivianischen Einsätze fanden am 30. September in Santa Cruz, La Paz und Sucre statt. Zu den Festgenommenen gehören Generalstaatsanwalt Roger Mariaca, der Staatsanwalt des Departamentos Santa Cruz, Alberto Zeballos, und der frühere Regierungsminister Eduardo Del Castillo. Boliviens Regierung wirft Mariaca vor, eine kriminelle Organisation innerhalb der Staatsanwaltschaft geführt zu haben, um den Drogenhandel zu schützen. Das ist eine Beschuldigung, keine Verurteilung.

Im Programm Arriba Hoy von GEN und Universo 970 behauptete Rachid, Marset habe gegen Zahlungen Schutz von bolivianischen Amtsträgern erhalten. La Nación und Hoy gaben das Interview wieder. Die Behauptung stammt vom SENAD-Leiter; die Berichte allein belegen weder die strafrechtliche Verantwortung der Genannten noch die Zahlungen.

El Nacional veröffentlichte außerdem Aussagen Rachids aus einem Interview mit dem Radiosender 1020 AM. Die Informationen hätten zunächst für Bolivien Priorität, doch Paraguay hoffe, mehr über Verbindungen im eigenen Land zu erfahren, sagte er. Seiner Darstellung zufolge begann die Organisation in Paraguay zu operieren und anschließend in Bolivien. Rachid begründete Paraguays Interesse mit der Suche nach möglicherweise bestochenen Bediensteten und Informationslecks bei A Ultranza PY. Die Operation begann am 22. Februar 2022; das Verfahren befindet sich inzwischen in der öffentlichen mündlichen Hauptverhandlung.

ABC Color, das Rachid bei ABC Cardinal interviewte, berichtet, Marset sei am 13. März 2026 in Santa Cruz gefasst und an die Vereinigten Staaten ausgeliefert worden. Er wartet auf einen für Januar 2027 vorgesehenen Prozess wegen Vorwürfen des Drogenterrorismus und der Geldwäsche. Die Festnahmen in Bolivien sind keine gerichtliche Entscheidung über diese Vorwürfe.

Paraguays Innenminister Enrique Riera sagte dem Sender 1020 AM, bei Beweisen gegen paraguayische Amtsträger müsse das Verfahren ohne Vertuschung voranschreiten. Im von La Nación wiedergegebenen Interview verwies er auf den früheren SENAD-Leiter und Innenminister Arnaldo Giuzzio, gegen den ein Strafverfahren läuft.

Riera beschuldigte Del Castillo und Mariaca zudem, die Festnahme der Villalba-Schwestern behindert zu haben, die mit dem Logistikbereich der Paraguayischen Volksarmee (EPP) in Verbindung gebracht werden. Riera behauptete, der Schutz bolivianischer Amtsträger habe ihre Ausreise über den Flughafen Viru Viru nach Venezuela erleichtert. La Nación gibt Rieras Darstellung wieder; der Vorwurf wurde nicht unabhängig bestätigt.

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Quellen (6)

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