Das paraguayische Strafvollzugssystem hat einen radikalen Schritt gegen Korruption unternommen: Seit Mai 2026 ist Bargeld in den neuen Haftanstalten des Landes vollständig verboten. Stattdessen nutzen die Gefangenen nun virtuelle elektronische Geldbörsen, die ausschließlich per Fingerabdruck zugänglich sind.
Die Technologie ist bereits im Centro de Reinserción Social de Emboscada (bekannt als Comple) und im Gefängnis von Minga Guazú in Betrieb. Die nächste Einrichtung, die das System erhalten soll, ist das Gefängnis Martín Mendoza, wie der Vizeminister für Kriminalpolitik, Rubén Maciel, mitteilte.
Um Sicherheitsrisiken zu vermeiden, haben die Insassen keinen Zugang zu Mobiltelefonen, Karten oder anderen physischen Zahlungsmitteln – Gegenstände, die in Hochsicherheitsregimen verboten sind. Die Funktionsweise ist zu 100% biometrisch: Jeder Gefangene hat ein virtuelles Konto mit Guthaben, und beim Kauf von Produkten in den Kantinen genügt es, den Finger auf den Leser zu legen, um den Kontostand zu überprüfen und den Abzug zu autorisieren.
„Dies gewährleistet nicht nur Transparenz und Rückverfolgbarkeit, sondern verhindert auch Nötigungssituationen durch Bedienstete gegenüber Gefangenen und umgekehrt, sowie jeden Bestechungsversuch. Es bietet viel Kontrolle, da wir wissen können, welches Produkt gekauft wird und wie oft“, erklärte Maciel.
Der Vizeminister ging auch auf das Risiko ein, dass die Geldbörsen genutzt werden könnten, um Geld aus Telefonbetrügereien zu erhalten, die innerhalb der Gefängnisse begangen werden. Er bezeichnete jeden derartigen Versuch als „absolute Dummheit“, da die Überwachung in Echtzeit erfolge und das System Name und Daten desjenigen erfasse, der jede Überweisung tätige, was die Arbeit der Staatsanwaltschaft erleichtere.
Die Plattform legt strenge Grenzen für Einzahlungen fest. Nur autorisierte Familienangehörige können Beträge überweisen, und es gibt eine Höchstgrenze pro Transaktion. „Es ist nicht so, dass man 10 Millionen einzahlen kann, es gibt Grenzen“, sagte Maciel.
Neben der Familienhilfe ist die elektronische Geldbörse auch zum offiziellen Kanal für die Zahlung von „Geldprämien“ geworden – Löhne, die von privaten Unternehmen gezahlt werden, die Partner der Programme zur beruflichen Wiedereingliederung in den Gefängnissen sind.