Die Staatsanwaltschaft hat gegen den ehemaligen Abgeordneten und ehemaligen Vorsitzenden des Richteranklagegerichts (JEM), Orlando Gabriel Arévalo Zielanko, formelle Anklage wegen schwerer passiver Bestechung im Rahmen des Falls #LaMafiaManda erhoben. Die Anklage wurde von den Staatsanwälten Francisco Cabrera, Verónica Valdez und Luis Piñánez der Spezialeinheit für Wirtschafts- und Korruptionsdelikte eingebracht, die zudem beim Richter Humberto René Otazú Fernández die Überweisung der Sache an ein öffentliches mündliches Verfahren beantragten.
In derselben Sache wurde Guido Javier Díaz Domínguez als mutmaßlicher Mittäter angeklagt. Laut den Ermittlungen soll Arévalo den verstorbenen Abgeordneten Eulalio „Lalo" Gomes gebeten und akzeptiert haben, drei Schecks über insgesamt 202.000.000 Guaraní als Bürgschaft für ein persönliches Darlehen zu unterschreiben, das der Angeklagte nicht hätte selbst erhalten können, und im Gegenzug seine Position im JEM genutzt haben, um die Staatsanwältin Stella Mary Cano in einem Disziplinarverfahren zu begünstigen.
Der Staatsanwaltschaft zufolge soll die mutmaßliche Vereinbarung durch eine zustimmende Abstimmung zugunsten einer Verwarnung gegenüber der Staatsanwältin umgesetzt worden sein. Die Ermittlungen stützten sich auf Gesprächsverläufe, die aus WhatsApp-Nachrichten auf dem Handy von Gomes extrahiert wurden, sowie auf Berichte von Mobilfunkanbietern, vom Obersten Gerichtshof bereitgestellte Unterlagen, Gerichtsakten und Berichte verschiedener Spezialeinheiten der Staatsanwaltschaft.
Mit der Anklageerhebung tritt das Verfahren in eine neue gerichtliche Phase ein, in der die Parteien ihre Argumente vor dem zuständigen Gericht darlegen müssen, das entscheidet, ob ausreichende Gründe vorliegen, damit die Sache in einem Strafverfahren vor dem Schwurgericht verhandelt wird.